105mm Makro-Objektive gehören zu den Standards der modernen Fotografie. Mit diesem 105mm f/4 hat eigentlich alles angefangen. Ich habe es sehr günstig erwerben können und möchte meine Erfahrungen mit diesem Klassiker schildern.
Makro-Objektive von Nikon tragen den Titel „Micro-Nikkor“. Das Nikon AI Micro-NIKKOR 105mm f/4 ist ein es der ersten Makro-Objektive, das mit Nikons AI Technologie zur Blendenübertragung im Jahr 1977 auf den Markt gekommen ist. Nikon hat das Objektiv in dieser Form bereits nach 4 Jahren überarbeitet und 1981 als AI-s Version für weitere zwei Jahre auf dem Markt gelassen.
Der dann 1983 erschienene Nachfolger Nikon Micro-NIKKOR 105mm f/2.8 AI-s ist eine ganze Blendenstufe lichtstärker und kann bis heute neu gekauft werden. Danach kamen noch 2 Neukonstruktionen für Nikon F mit 105mm und Anfangslichtstärke 2.8, eins davon mit Bildstabilsator und 2021 eine Version für Nikon Z. Mit diesem 105er fing also alles an.
Meine Erfahrungen mit dem Nikon AI Micro-Nikkor 105mm f/4
Ich hatte die Gelegenheit das Nikon AI Micro-Nikkor 105mm f/4 sehr günstig gebraucht zu erwerben. Da ich mit dieser Brennweite im Makrobereich schon mit dem Tokina 100mm Makro schon tolle Erfahrungen gesammelt hatte, wollte ich es noch einmal probieren. Mein Exemplar war zum Zeitpunkt, als ich es verwendete, ca. 40 Jahre alt. Alles hat noch wie am ersten Tag funktioniert, auch optisch war es noch in hervorragendem Zustand.
Mechanische Eigenschaften
Typisch für diese Baujahre ist die überwiegende Verwendung von Metall und Glas zur Fertigung des Objektivs. Kunststoff kommt nur sehr wenig zum Einsatz. Die Blenden rasten jeweiils bei der vollen Blendenstufe sauber ein. Der Fokusring ist sehr präzise und weich steuerbar, das ist bei Makro-Objektiven besonders wichtig. Höhere Präzision kenne ich nur noch von Zeiss-Objektiven. Für die maximale Fokusdistanz benötigt man von Minimum sehr viele Umdrehungen, so dass man besonders im Nahbereich sehr präzise fokussieren kann. Eine kurze Gegenlichtblende aus Metall ist integriert, wie auf dem Foto hier unten zu sehen ist.


Metall und Glas, das alles wiegt natürlich. Das Objektiv ist knapp ein halbes Kilogramm schwer – das sollte man beim Freihand-Fotografieren im Makrobereich natürlich mit einer ggf. fast 1kg schweren Kamera im Hinterkopf haben.
Verglichen mit modernen Objektiven ist es relativ kompakt. Fokussiert auf Unendlich ist es knapp 10cm lang. Fokussiert auf die kürzeste Entfernung ist es mit ausgeklappter Gegenlichtblende fast doppelt so lang, wie auf diesem Foto zu sehen ist:

Bei diesem Anwendungsfall sind moderne Objektive, wie das Nikon AF-S Micro-Nikkor 105mm f/2.8 VR oder das Tokina AT-X M100 AF Pro D natürlich kompakter.
Die Balance an meiner Nikon Df ist hervorragend, sowohl Größe als auch Gewicht harmonieren mit DSLRs dieser Größe – hier würde ich auch die D6XXer und D7XXer Modelle (siehe D700) von Nikon dazu zählen, sehr gut.
Optische Eigenschaften
Von einem Makro-Objektiv erwartet man natürlich maximale Schärfe bei möglichst geringer Motivdistanz. Beim Nikon AI Micro-Nikkor 105mm f/4 handelt sich um ein klassisches Design aus 5 Linsen. Die größte Blendenöffnung beträgt f/4, die kleinste f/32. Die Blende hat 7 gerade Lamellen. Optisch leistet das 105/4 für sein Alter schon erstaunliche Dinge. Die Schärfe ist über den gesamten Blendenbereich sehr gut. Bereits bei Offenblende ist das Zentrum über den gesamten Fokusbereich scharf, auch die Ränder sind akzeptabel scharf und können durch Abblenden verbessert werden. Die optimale Schärfe wird bei f/8 erreicht – auch das ist sehr typisch für Objektive dieser Bauart.
Auch der Kontrast ist bei Licht von der Seite oder von hinten bereits bei Offenblende hervorragend. Schwächen zeigt das Objektiv nur bei starkem Gegenlicht. Bei solchen Situationen sieht man den Fortschritt im Objektivbau am stärksten. Besonders bei starkem direkten Gegenlicht, wie ich es in Portraitsituationen gern nutze, fällt der Kontrast und die Farbsättigung sehr stark ab. Wenn man in der Nachbearbeitung hier etwas nacharbeitet, kann man dennoch sehr schöne Portraitfotos erreichen. Farbsäume sind ebenfalls bei starkem Gegenlicht sichtbar, hier fallen besonders magenta- und grünfarbene Säume an Kanten auf, beispielsweise wenn man Blätter im Gegenlicht fotografiert.
Das Bild hier zeigt eine Ausschnittsvergrößerung im rechten oberen Randbereich. Spannend sind sowohl die Farbsäume aber auch das Bokeh. Es ist etwas unruhig aber mit schönen fast runden Bokeh-Balls, leider jedoch auch mit etwas betonten Rändern.

Was immer wieder auffällt bei AI- aber auch einigen AI-s Objektiven aus den frühen 1980ern ist die etwas kühlere Farbwiedergabe, verglichen mit modernen AF-S oder Z-Nikkoren.
Das Objektiv ist optimiert für den Nahbereich und macht dort auch wirklich viel Freude. Präzises Fokussieren und gute Schärfe machen es in den für mich typischen Makro-Situationen im Herbstwald für Blätter oder Pilze zu einem guten Begleiter. Wer eine Vergrößerung von 1:1 braucht, kann diese mit Zwischenringen erreichen, das Objektiv bietet einen Vergrößerungsmaßstab von 1:2.

Ich setze diese Brennweite nicht nur für Makrofotografie sondern gern auch für Landschaft und Portrait an. Beide Situationen meisterte das Objektiv genauso gut. Bei Portraits besonders von sich schnell bewegenden Motiven (beispielsweise meine Kinder), wäre ein Autofokus natürlich hilfreicher.
Mein Fazit zum Nikon AI Micro-Nikkor 105mm f/4
Ich fotografiere am liebsten im Herbst- und Winterwald. Dafür nutze ich am liebsten Makro-Objektive, aber da das nur ein kurzer Zeitraum im Jahr ist, verkaufe ich sie danach in der Regel wieder und probiere im Folgejahr ein anderes Objektiv aus. So habe ich schon ein paar andere Objektive testen können, wie das Nikon AI Micro-Nikkor 55mm f/3.5, das Nikon AF Micro-Nikkor 60mm f/2.8 oder das Tokina AT-X M100 Pro-D.
Preislich bewegen sich diese Modelle zwischen 150€ und 250€. Deshalb entscheidet eher der Geldbeutel und der Zustand des angebotenen Objektivs, für welches Modell man sich entscheidet. Mit den 50-60mm Micro-Nikkoren muss man ggf. deutlich näher ans Motiv heran und nimmt sich ggf. selbst das Licht (siehe meine Reviews). Bei 100mm Makro-Objektiven wie diesem 105mm oder auch beim grandios guten 100mm Tokina hat man dieses Problem nicht mehr. Grundsätzlich kann ich trotzdem sagen, dass ich durchweg alle Makro-Objektive von Nikon oder Tokina, die ich bisher nutzen durfte, uneingeschränkt empfehlen kann. Wer sich beispielsweise für den Herbstwald etwas Zeit nehmen möchte, liegt mit keinem der Objektive daneben – so auch mit diesem 105mm f/4.
Beispielfotos mit dem Nikon AI Micro-Nikkor 105mm f/4








