Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D

Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D

Erfahrungsbericht Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D

Das Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 ist ein Standard-Zoom-Objektiv mit durchgehender Lichtstärke 2.8 welches aufgrund seiner guten optischen Eigenschaften bis in die 2000er von vielen professionellen Fotografen eingesetzt wurde.

Meine persönliche Meinung zu diesem Objektiv

Ich bin ein Fan von Festbrennweiten. Aber ab und zu gibt es Situationen, in denen ein Zoom einfach einen so großen Gewinn an Komfort bringt, dass auch ich mal zur eierlegenden Wollmilchsau greife. Ein Beispiel ist das Fotografieren auf Familienfeiern, Hochzeiten oder anderen Festen, wo man in verschiedenen Raum- und Lichtsituationen schnell reagieren muss.
Nach welchen Kriterien habe ich das 35-70 ausgewählt?
Auf der Suche nach einem günstigen Zoom mit möglichst hoher und am besten konstanter Lichtstärke, mit dem ich ein 35mm, ein 50mm und am besten noch ein leichtes Tele, wie das Nikon AI-s 85mm f/2.0 so gut wie möglich kompensieren kann, bin ich auf das Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D gestoßen. Es wurde von 1992 bis 2007 hergestellt und war bei vielen professionellen Fotografen damals die erste Wahl. Die hohe Lichtstärke ist mir in diesem Fall sehr wichtig, da ich damit vor allem Menschen in verschiedenen Situationen fotografieren möchte, möglichst bei Offenblende. Deshalb ist das, von mir sehr geschätzte Nikon AF Nikkor 28-70mm f/3.5-4.5 D an dieser Stelle aus der Auswahl herausgeflogen. Ich hatte es ja beispielsweise 2012 auf einer Reise in Mexiko als einziges Objektiv dabei und war sehr angetan.

Die anderen klassischen lichtstarken Zooms, wie die das Nikon AF-S 24-70mm f/2.8 G ED mit und ohne VR sind aufgrund des hohen Preises (ich bin kein professioneller Fotograf) und/oder aufgrund des hohen Gewichts, wie beispielsweise beim Nikon AF-S 28-70mm IF ED nicht mehr in die engere Wahl gekommen. Aufmerksame Verfolger meiner Websiten könnten sich jetzt fragen „Jetzt doch mal wieder ein 2.8er Zoom?“, denn ich hatte vor einigen Jahren auch mal ein Tokina AT-X PRO 28-70mm f/2.8, eines dieser legendären auf Angenieux-Konstruktion basierenden Zooms. Aber alle diese Objektive sind mir zu groß, zu schwer und teilweise zu teuer. Denn preislich ist das 35-70 ein absolutes Schnäppchen. Je nach Zustand bekommt man es zwischen 190€ und 300€.

Mechanische Eigenschaften

Das Nikon AF-D Nikkor 35-70mm f/2.8 ist ein vollständig aus Glas und Metall gebautes Schiebezoom. Es wirkt in seiner Konstruktion sehr hochwertig und massiv. Es wiegt mit etwa 660 Gramm etwa ein Drittel weniger als die heutigen Profizooms, im Vergleich zu meinem f/1.8er Festbrennweiten fühlt es sich aber dennoch schwer an, die Balance an der Nikon Df ist nicht so harmonisch, wie mit einem kleinen 50mm oder 85mm Objektiv. Zusammengeschoben bietet es eine Brennweite von 70mm und voll ausgezogen eine Brennweite von 35mm. Für mich ist dieser Brennweitenbereich ausreichend, da ich hauptsächlich zwischen 35mm und 50mm fotografiere. Der Schiebemechanismus ist leichtgängig und weich, hält man das Objektiv nach unten, behält der Schiebemechanismus seine Position – das habe ich beim Nikon AF Nikkor 70-210mm f/4-5.6 auch schon anders erlebt. Beim Fokussieren dreht sich die Frontlinse, so dass die Verwendung eines Polfilters schwierig ist. Der Fokusring befindet sich nahe der Frontlinse, manuelles Fokussieren ist möglich aber fühlt sich nicht so präzise wie bei einem manuell fokussierenden Objektiv an. Es gibt auch noch einen Makro-Modus, der bei 35mm das Fokussieren auf kurze Distanz erlaub. Dazu muss ein Metallstift bei 35mm gedrückt und der Fokusring gedreht werden, der Knopf ist auf dem Bild unter diesem Absatz ganz gut zu erkennen. Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:4 kann man es aber nicht wirklich für Makrofotografie einsetzen, ich finde Nikon hätte sich den Makro-Modus damals bei diesem und vielen anderen Objektiven einfach sparen können. Das hätte die Konstruktion vereinfacht und das Gewicht reduziert. Wer Makro fotografieren möchte, sollte zu echten Makroobjektiven greifen.

Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 bei 35mm

Das Objektiv hat, wie damals üblich, keinen integrierten Autofokusmotor sondern verwendet den Stangenantrieb der Kamera. Viele moderne DX-Kameras haben keinen integrierten Autofokusmotor, so dass auf diesen Bodies das Objektiv nur mit manuellen Fokus betrieben werden kann. An meiner Nikon Df läuft der Autofokus schnell und präzise aber nicht so schnell, wie bei einem AF-S Objektiv. Also rein mechanisch ist das Objektiv absolut empfehlenswert, wenn man darauf achtet, ein Exemplar ohne Linsentrübung zu ergattern. Es gab wohl ein Problem mit dem Schmiermittel, welches bei einigen Linsen der hinteren Gruppe zu Trübungen und Schleiern führt. Bei den großen Online-Auktionshäusern on Onlineshops wird bei seriösen Händlern darauf hingewiesen. Bei Privatkäufen ist Vorsicht geboten, eine Nachfrage schadet nicht. Ansonsten sind keine großen mechanischen Probleme bei diesem Objektiv bekannt.

Optische Eigenschaften

Zur optischen Leistung kann man sagen: für den gebotenen Preis bekommt man sehr gute Ergebnisse. Die Schärfe im Zentrum ist bei Offenblende hervorragend, an den Rändern etwas weicher – für Portraits absolut kein Nachteil. Abblenden hilft, und zwar schon wenige Stops. Schon von 2.8 auf 3.2 bringt Verbesserungen. Ich musste bei meinem Exemplar in Kombination mit der Nikon Df eine kleine Feinabstimmung des AF vornehmen um -4, damit der Fokuspunkt passt.

Kontrast und Farbwiedergabe sind auf sehr hohem Niveau, im Vergleich zu modernen Nikkor-Objektiven habe ich den Eindruck, dass die 80er und 90er Jahre Objektive einen Tick kühlere Ergebnisse liefern aber das ist subjektiv. Am beeindruckendsten finde ich die äußerst geringe Verzeichnung, da habe ich bei anderen Zooms wesentlich stärkere Beeinträchtigungen gesehen – auch wenn man das bei modernen Kameras in der Kamera oder in der Postproduktion korrigieren kann. Leider liefert Adobe Lightroom kein Objektivprofil für das 35-70 mit, jedoch gibt es im Netz diverse Profile zum Download. Die Korrektur der Verzeichnungen fällt gering aus, die meisten Profile beheben die bei Offenblende vorhandene Vignettierung. Wer in JPEG fotografiert, kann leicht abblenden, um das Problem loszuwerden. Hier mal Beispiele für die Verzeichnung und auch die (fast nicht sichtbare) Vignettierung bei 35mm, 52mm und 70mm, jeweils bei Offenblende:

Verzeichnung des Nikon 35-70mm bei 35mm

Verzeichnung des Nikon 35-70mm bei 52mm

Verzeichnung des Nikon 35-70mm bei 70mm

Optisch auffällig sind Reflexionen und Lensflares bei Gegenlicht – hier ist das Objektiv mit Vorsicht zu verwenden. Ich habe auch deutlich sichtbare Chromatische Aberration besonders bei Gegenlichtsituationen feststellen müssen. Diese ließen sich in Lightroom teilweise gut korrigieren.

Das wichtigste neben der Schärfe und Verzeichnung ist für ein Objektiv, das für Portrait und Menschen-Fotografie eingesetzt werden soll, natürlich das Bokeh. Es ist bei Offenblende angenehm und weich, im direkten Vergleich mit den Festbrennweiten bei 35mm und 50mm jeweils bei f/2.8 zwar nicht perfekt auf Augenhöhe aber wirklich gut. Die Fotos sind unverändert, direkt aus der Kamera. Man sieht auch, dass die Farbabstimmung des Nikon 35-70mm f/2.8 etwas kühler ist, als die modernen AF-S Nikkore.

Bokeh Vergleich Nikon 35-70mm f/2.8 und Nikon 35mm

Bokeh Vergleich Nikon 35-70mm f/2.8 und Nikon 50mm

Bokeh des Nikon AF-D Nikkor 35-70mm bei 70mm und f/5.0

Mein persönliches Fazit: Kompakt, scharf, billig, lichtstark – mehr geht wohl bei einem Zoom kaum und deshalb ist dieses Objektiv eine ganz klare Kaufempfehlung, wenn man einen Body mit integriertem Autofokusmotor hat und ein Exemplar ohne Linsentrübung erwischt. Es ist und bleibt ein Kompromiss, ich ziehe in den meisten Situationen ein 50mm diesem Zoom vor, aber wenn es drauf ankommt, und man keine Zeit zum Objektivwechsel hat, wird man mit diesem Objektiv viel Freude – und Gesprächsstoff haben. Denn man sieht es immer seltener.

 

Beispielfotos

Links und Reviews zum Objektiv

 

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