Tamron SP AF 70-200mm f/2.8 Di LD (IF) Macro (A001)

Tamron SP AF 70-200 f/2.8 Di LD (IF) Macro (A001)

Mit dem Tamron 70-200mm f/2.8 Di LD (IF) Macro ist ein günstiges gebrauchtes Zoom-Objektiv für Nikon F Kameras in großen Stückzahlen gebraucht verfügbar, das für Konzert- und Veranstaltungsfotografie aber auch für Portraits und Landschaft sehr flexibel einsetzbar ist. Leider verfügt es über keinen integrierten Bildstabilisator und das Gewicht haut ganz schön rein. Aber ansonsten ein echtes Schnäppchen.

Meine Erfahrungen mit dem Tamron SP AF 70-200mm f/2.8 Di LD (IF) Macro (A001)

Ich habe mir dieses Objektiv für das Fotografieren von Veranstaltungen mit meiner Nikon D780 Spiegelreflexkamera gekauft. Neben der DSLR mit Nikon F-Bajonett verwende ich noch eine Nikon Zfc mit Z-Bajonett. Leider ist dieses Objektiv am FTZ Adapter nicht ohne Probleme verwendbar – dazu mehr im Verlauf dieses Erfahrungsberichts. Dieses Objektiv wurde von Tamron in großen Stückzahlen für die gängigen DSLR-Anschlüsse von Nikon, Canon, Pentax und Sony A-Mount ab ca. 2008 hergestellt und war mit einem Neupreis von ca. 1.000€ immer eine günstigere Alternative zu den Flaggschiffen der Kamerahersteller. Hier mein Erfahrungsbericht aus dem Jahr 2024 an Nikon F und Z-Kameras.

Mechanische Eigenschaften

Wir haben hier ein ganz typisches 70-200er Objektiv fürs Vollformat. Das Tamron SP AF 70-200mm f/2.8 Di LD (IF) Macro (A001) ist knapp 20cm lang und hat einen Durchmesser von ungefähr 9cm. Es wiegt knapp 1,15kg und ist überwiegend aus Metall und Glas gefertigt. Wer schon mal ein Nikon AF-S 70-200 2.8 ganz egal welcher Generation in der Hand hatte, wird einen haptischen Unterschied spüren aber es fühlt sich dennoch wertig und stabil an. Es kommt mit einer Stativschelle, ebenfalls aus Metall. Der Filterdurchmesser von 77mm ist ein typisches Format, ich verwende aber keine Filter an diesem Objektiv. Die tulpenförmige Gegenlichtblende ist aus hartem Kunststoff und wirkt deutlich billiger als die eines Nikon-Objektivs ähnlicher Bauart. Man kann durch schieben des Fokus-Rings in den MF-Modus wechseln, sowas kenne ich auch von Tokina-Objektiven. Das kann praktisch sein, benutze ich jedoch so gut wie nie.

Alles in allem fühlt sich das Objektiv nicht so schlimm wie die ramschigen Tamron-Objektive oder die günstigen Nikon-Objektive der frühen 2000er Jahre an. Wenn die Umgebung trocken und staubarm ist, kann man es bedenkenlos auch für semiprofessionelle Zwecke einsetzen, wenn es richtig dreckig ist oder es in Strömen regnet, vertraue ich eher auf die deutlich besser abgedichteten Originalobjektive.

Der Fokusring ist angenehm zu verstellen, die Abstände habe ich im Alltag immer als sehr praktisch empfunden, mit ungefähr 70° kann man von 70mm auf 200mm wechseln.

Das Objektiv hat einen integrierten Autofokus-Motor, jedoch keinen modernen Ultraschall- oder Linear-Motor – hier merkt man, dass man ein Objektiv von vor 3 oder 4 Kamera-Generationen nutzt. Dennoch ist der der AF an der D780 bei Verwendung des optischen Suchers für statische oder langsame Motive völlig in Ordnung. Für das Fotografieren von Tänzern auf einer Bühne zu jederzeit ausreichend. Wenn die Bewegungen deutlich schneller werden, kam der AF nicht immer hinterher. Der AF ist leider nicht der leiseste, man fällt damit in sehr ruhigen Umgebungen schon auf aber verglichen zum in die Kamera integrierten AF-Motor immer noch ruhig.

Schwieriger wird es, wenn man den AF an der D780 im Live-View (vergleichbar mit der Nikon Z6 und Z6II) oder mit dem FTZ-Adapter an der Nikon Zfc verwenden möchte. Der Augen-AF funktioniert häufig sogar ganz gut aber die Nachführung, wenn sich das Motiv bewegt, kommt nicht hinterher. Das führt dazu, dass sich sowohl die D780 als auch die Zfc abschalten oder einfrieren. Meine Zfc liefert dann eine Fehlermeldung. Durch Drücken des Auslösers wird das ganze System wieder aktiviert aber   ein weiteres Fotografieren ist dann für mehrere Sekunden nicht möglich! D.h. wer mit diesem Objektiv im Live-View oder an Z-Kameras die AF-Funktionen nutzen möchte, sollte definitiv ein anderes Objektiv wählen. Das beschriebene Verhalten ist auch unabhängig vom Fokus-Modus. Ich konnte das bei AF-A, AF-C und AF-S auf der D780 und der Nikon Zfc feststellen. Schade, denn die Leistung mit Sucherautofokus an der D780 am Nikon F Bajonett kann sich durchaus sehen lassen.

Tamron kennzeichnet das Objektiv mit Macro. Die Naheinstellgrenze liegt bei 0,95m, der Vergrößerungsmaßstab liegt bei 1:3.1. Man kann damit schon ganz zufriedenstellende Ergebnisse erzielen, allerdings ist die Handhabung eines solch großen Objektivs im Makrobereich nicht immer ganz einfach. Mir sind da kompaktere echte Makroobjektive mit 60mm oder 100mm deutlich lieber. Ich habe es kaum für Nahaufnahmen eingesetzt und kann deshalb dazu nicht viel sagen.

Optische Eigenschaften

Warum kauft mein ein f/2.8 – Zoom? Ganz klar für sehr gute Schärfe und Performance über einen großen Brennweitenbereich bei Offenblende. So kann man bedenkenlos auch bei Dunkelheit fotografieren – für Veranstaltungen im Innenraum oder Sport essenziell. Bei F2.8 war es mir teilweise zu weich, besonders um 135mm. Und das ist dann schon ein Grund auf ein teureres 2.8 auszuweichen. Bei 70mm und auch im Tele bei 200m vor allem im Zentrum ist es gut verwendbar. Bspw. für Portraits bei 200m ist die Offenblende gut einsetzbar. Für Veranstaltungen mit mehreren Personen auf der Bühne muss man hier allein wegen der Schärfenebene schon abblenden, ich nutze es deshalb oft bei f/4. Dass hier ggf. ein Nikon AF-S Nikkor 70-200 f/4 VR allein wegen des Bildstabilisators und der guten Kompatibilität an Nikon Z Kameras eine kompaktere und sogar optisch bessere Option sein kann, versteht sich von selbst. Mal sehen, was die Zeit bringt. Ich denke ich kaufe mal eins und teste das.

Das Bokeh und den Übergang von Scharf zu Unscharf habe ich immer als sehr angenehm empfunden – aber das ist auch Geschmackssache. Das Bokeh hat keinen sehr individuellen Charakter sondern man kann damit absolut „erwartungskonforme“ qualitativ hochwertige Bilder abliefern.

An diesem Foto kann man sehr gut mehrere Charakteristiken dieses Objektivs erkennen. Zum einen die Übergänge von Scharf auf unscharf und auch wie Gegenstände vor oder hinter dem Motiv gerendert werden. Des weiteren erkennt man einen leichten Farbsaum um die Lampe links im Bild.

Nikon D780 mit Tamron SP AF 70-200mm f/2.8 bei ISO5600, f/2.8, 1/250s
Nikon D780 mit Tamron SP AF 70-200mm f/2.8 bei ISO5600, f/2.8, 1/250s

Positiv hervorzuheben sind Verzeichnung und Vignettierung, die sind absolut gut korrigierbar – teilweise habe ich die Fotos auch nicht korrigiert. Auch Farbsäume bei Gegenlicht sind angenehm gering ausgeprägt, ich musste hier bei weitem nicht so viel in der Postproduktion korrigieren wie bei so mancher teuren Festbrennweite.

Im Alltagseinsatz

Ich habe weniger als 400€ für dieses Objektiv bezahlt und es bewusst für sehr spezielle Einsätze gekauft. Bei macht es hervorragend seinen Job, ich bekomme, was ich erwartet habe. Ich würde es niemals mit in den Urlaub nehmen, denn das Gewicht ist für meine Einsatzzwecke nicht alltagstauglich. Die letzte Veranstaltung, die ich damit fotografiert habe, ging knapp 4 Stunden am Stück. Danach habe ich das in den Armen schon sehr gut gespürt – das Fitnessstudio kann man sich damit sparen. Der Formfaktor ist ansonsten gut, auch die Ergonomie passt. Nach mehreren Einsätzen ist man mit Kamera und Objektiv blind vertraut.

Ein paar Dinge muss man auf jeden Fall im Kopf haben. Das Objektiv hat keinen Bildstabilisator – das zwingt automatisch zu kürzeren Verschlusszeiten. Für denjenigen, der Veranstaltungen mit vielen Menschen fotografiert,  ist das sowieso irrelevant, weil die Personen sonst aufgrund der Bewegungsunschärfe nicht eingefroren werden können. Für statische Motive oder Landschaft wäre ein Bildstabilsator hilfreich. Kürze Verschlusszeiten wiederum erforderen entweder offenere Blende oder höhere Lichtempfindlichkeiten. Bei der D780 ist mir alles bis ISO6400 fast egal, das lässt sich im Zweifelsfall auch nachträglich gut entrauschen.

Für den Einsatz am Z-Mount oder auch den Live-View an der D780 oder D850 ist es ebenfalls unbrauchbar. Es ist auch nicht zu erwarten, dass das durch Firmware-Updates behoben werden wird. Solange ich DSLR fotografiere, stört mich das nicht. Sobald ein hybrider Einsatz oder ausschließlich spiegellos fotografiert werden soll, fällt das Objektiv leider raus. Ich nehme an, dass das auch die Gebrauchtpreise weiter in den Keller treiben wird, spätestens knapp über 350€ sollte hier ein „Bodensatz“ erreicht sein.

Fazit

Wer im Jahr 2024 für sehr wenig Geld ein professionelles Tele-Zoom im Brennweitenbereich 70-200mm für DSLR-Kameras von Nikon sucht, kann zugreifen. Das Objektiv liefert für sehr wenig Geld überzeugende Ergebnisse.

Eine Alternative zum ähnlichen Preis ist das Sigma 70-200mm f/2.8 EX DG OS HSM mit ähnlichen Stärken und Schwächen aber ähnlich lichtstark. Nur eine Blende schwächer aber deutlich leichter und mit ausgezeichnetem Bildstabilisator und zum vergleichbaren Preis ist das Nikon AF-S Nikkor 70-200 f/4 G ED VR zu haben. Wer also nicht unbedingt f/2.8 sucht und weniger schleppen möchte, sollte sich das mal ansehen – es steht auch auf meiner Liste.

Wer häufig ein 2.8er Zoom in diesem Brennweitenbereich benötigt, sollte etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Dafür gibts dann mehr schärfe, Bildstabilisator und bessere Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit. Das Tamron SP 70-200 2.8 Di VC USD G2 oder auch das Nikon AF-S Nikkor 70-200mm f/2.8 G ED VR II gehen gebraucht für ungefähr 800€ weg.

Ansonsten bekommt man für unter 400€ ein solides Arbeitstier, das bei Konzerten, für Portraits oder gelegentliche Zoobesuche sicher lange viel Freude machen wird.

Beispielfotos