Das Nikon AI-s Nikkor 24mm f/2.8 ist ein manuell fokussierendes kompaktes Weitwinkelobjektiv für das Nikon F-Bajonett, das seit Ende der 1970er Jahre bis weit in die 2010er Jahre von Nikon gefertigt wurde.
Meine Erfahrungen mit dem Nikon AI-s Nikkor 24mm f/2.8
Ich habe dieses Objektiv von einem Freund als Paket mit einer Nikon FM2 in die Hand gedrückt bekommen mit den Worten „Ich brauch das gerade nicht, behalte das mal so lange du damit fotografierst.“ Die FM2 ist erstmal ins Regal gewandert, mit Film hatte ich da noch nicht so viel am Hut. Das 24mm kam an meine Nikon D700 und los gings. Davor hatte ich bislang schon viele Festbrennweiten – auch sehr viele manuell fokussierende, wie das Nikon AI Nikkor 35mm f/2.8 oder das Nikon AI Nikkor 28mm f/2.8 ausprobiert. Mein erster Gedanke war – wer braucht denn ein 24mm? Ein 28mm tut es ja auch! Dann war ich unterwegs mit diesem Objektiv und merkte – wow. Man kann doch viel besser in Situationen eintauchen, man fühlt sich viel stärker „Im Bild“ mit einem etwas stärkeren Weitwinkel – ohne Verzerrungen oder ähnliches.
Mechanische Eigenschaften des Nikon AI-s 24mm f/2.8
Von der Verarbeitungsqualität und Haptik ist das Nikon AI-s Nikkor 24mm f/2.8 eine wahre Freude. Gebrauchte AI-s Objektive sind etwas jünger und meistens gut erhalten. Mein Exemplar war sehr hochwertig verarbeitet, alles aus Metall und sehr kompakt. Der Fokusring läuft angenehm seidenweich aber nicht zu leichtgängig. Die Blenden rasten sauber ein. Das Objektiv ist etwa gleich groß wie das 28mm AI oder auch das 35mm AI.
Die 24mm AI und AI-s Objektive sind weitestgehend baugleich und man kann davon ausgehen, ein sehr robustes und langlebiges Objektiv zu erwerben. Ich würde dieses Objektiv allein aufgrund der Verarbeitungsqualität dem Nikon AF Nikkor 24mm f/2.8 D vorziehen, welches ich später erworben und sehr viele Jahre vor allem für Film-Fotografie an der Nikon F401x verwendet habe.
Bessere Qualität bei einem manuell fokussierenden Objektiven für Nikon F bekommt man eigentlich nur bei den von Cosina gefertigten Objektiven für die Marken Voigtländer oder Zeiss.
Optische Eigenschaften des Nikon AI-s 24mm f/2.8
Die optischen Eigenschaften stehen der Mechanik um nichts nach. Bereits bei Offenblende ist dieses Objektiv sehr scharf. Manchmal wünscht man sich einen Stop mehr, insbesondere wenn man wenig vorausschauend den falschen Film dabei hat. An der Digitalkamera ist das ja weitestgehend egal.
Abblenden bringt mehr Kontrast und Schärfe bis an die Ränder. Die kurze Brennweite erlaubt auch längere Verschlusszeiten, das manuelle Fokussieren ist problemlos. Ich fotografiere ohne Bildstabilisator selten kürzer als 1/30s aber die bekomme ich in der Regel scharf hin.
Auch an modernen Nikon-Kameras kann das Objektiv bedenkenlos eingesetzt werden, bspw. auch mittels Adapter wie Nikon FTZ an Nikon Z-Kameras. Am Vollformat erhält man ein tolles leichtes Weitwinkel, am Crop-Sensor ein 36mm, was perfekt für Street geeignet ist.
Bei Blende 2.8 und 24mm darf man natürlich keine Wunder erwarten, wenn es ums Bokeh geht. Wer ein Weitwinkel sucht, dass eine große Offenblende bietet, kann – je nach Kamera – mal beim Nikon AF-S Nikkor 24mm 1.4 G ED vorbeischauen, das hat allerdings ein heftiges Preisschild – auch gebraucht.
Die Farbabstimmung ist vergleichbar mit den anderen AI-s Objektiven, verglichen mit moderneren Nikkor-Objektiven etwas kühler / weitestgehend neutral. Bei Gegenlicht bricht der Kontrast etwas ein, wer digital fotografiert, kann hier je nach Kamera aber in der Postproduktion viel retten. Ich habe in der Regel ohne Gegenlichtblende fotografiert und hatte im Alltag keinerlei Probleme mit störenden Flares.
Mein Fazit
Wer eine Weitwinkelfestbrennweite sucht, die nicht sehr teuer ist, exzellent verarbeitet ist und wenig Platz im Fotorucksack benötigen soll, kommt am Nikon AI-s Nikkor 24mm f/2.8 kaum vorbei. Für mich eine klare Kaufempfehlung. Wenn es billiger sein soll, liefert das Nikon AF Nikkor 24mm f/2.8 D vergleichbare optische Leistung im Hartplastikgehäuse der 90er.
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