Das Nikon 24-70mm f/2.8 G ist eines der besten Standard-Zooms für das Nikon F Bajonett. Als Nikon im Jahr 2007 für die neu erschienenen Nikon D700 und die D3 dieses Objektiv auf den Markt brachte, setzte es damit einen hohen Standard hinsichtlich Schärfe und Abbildungsleistung über den gesamten Brennweitenbereich hinweg. Ich schwöre auf Festbrennweiten aber wenn man bspw. bei Veranstaltungen fotografiert und von Weitwinkel bis leichtem Tele alle Bereiche wirklich braucht, ermöglicht dieses Objektiv wesentlich entspannteres Fotografieren bei fast gleicher Bildqualität. So viel sei vorweg genommen.
Meine Erfahrungen mit dem Nikon AF-S Nikkor 24-70mm f/2.8 G ED
Dieses Objektiv war Nikons erstes Objektiv in dieser Brennweite mit durchgehender Lichtstärke von f/2.8. Es wurde 2015 durch eine Version mit Nikons Bildstabilisator VR abgelöst, welche leider noch etwas größer aber wohl nicht schärfer ist. Der Vorgänger war das Nikon AF-S 28-70mm f/2.8 D mit ebenfalls großartiger Abbildungsleistung und der Verarbeitungsqualität eines Panzers.
Als ich diesen Erfahrungsbericht aktualisiert habe, habe ich dieses Objektiv fast 3 Jahre im Einsatz an einer Nikon D780 Vollformatkamera mit 24 Megapixeln Auflösung sowie am FTZ-Adapter an einer Nikon Zfc im Einsatz gehabt. Haupteinsatzgebiet waren vorwiegend Veranstaltungen wie Konzerte oder Vernissagen. Ich habe es aber auch für einige Fotoshootings, vorwiegend Portrait eingesetzt. Dabei habe ich sowohl offenblendig als auch abgeblendet fotografiert, mit einem oder mehreren Blitzgeräten und im Freien wie in Studiosituationen.
Ich hatte es auch auf einer Wanderung im strömenden Regen dabei – auch hier hat es sowohl was Wetterfestigkeit betrifft, als auch optisch eine hervorragende Figur abgegeben.
Mechanische Eigenschaften
Das Nikon AF-S Nikkor 24-70mm f/2.8 G ED ist ein ziemlicher Brocken. Es ist knapp 900g schwer. In Kombination mit einer Nikon D780 ergibt sich eine sehr harmonische Balance, die bei größeren Bodies noch etwas besser sein sollte. Natürlich ist das Gesamtgewicht so einer Kombination schon hoch – wenn man noch ein externes Blitzgerät auf die Kamera montiert, sind schnell fast 3kg erreicht.
Es ist knapp 13cm lang und wird mit angeschraubter Gegenlichtblende noch mal um ein paar Zentimeter größer. Die Gegenlichtblende ist aus sehr robustem Kunststoff und schützt nicht nur vor Streulicht sondern auch davor, das wirklich nichts die Frontlinse berührt. Das Objektiv verändert durch Zoomen über den Brennweitenbereich seine Größe, am kompaktesten ist es bei ca. 50mm. Wenn die Gegenlichtblende montiert ist, dehnt es sich innerhalb der Gegenlichtblende aus, so dass die Gesamtlänge mit Gegenlichtblende immer gleich ist.


Sowohl Zoom- als auch Fokusring lassen sich sehr präzise führen. Mein Exemplar kriecht auch nicht, wenn es nach unten gehalten wird.
Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau, die verwendeten Kunststoffe wirken absolut hochwertig. Das Bajonett ist aus Metall und gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Nach mehreren Jahren Einsatz bei Trockenheit und Hitze, bei Gewitter und auch bei Schnee und Eis hat mein Exemplar keinerlei mechanische Probleme aufgewiesen. Das 77mm Filtergewinde ist leider aus Kunststoff, hier kann sich über die Zeit sicher Verschleiß bemerkbar machen. Ich selbst verwende auf diesem Objektiv keine Filter.

Der Autofokus ist sehr schnell, wie bei AF-S Objektiven gewohnt. Die AF-Motoren arbeiten weitestgehend geräuschlos. Sowohl im klassischen AF-Modus mit optischem Suchen als auch bei Verwendung des Augen-AF an der Nikon D780 (ähnlich der Z6, Z6II, Z7 und Z7II) war der AF stets schnell und treffsicher – so gut wie es das Nikon AF-System dieser Kamera-Generation kann. Der Mindestabstand zum Motiv ist 38cm. Es ist also zwar kein klassisches Makro aber kann auch nahe Motive mit sehr guter Bildqualität abbilden. Auch am FTZ-Adapter an meiner Nikon Zfc konnte ich mich auf den AF zu jeder Zeit verlassen. Besonders der Augen-Autofokus war schnell und zuverlässig – hier ist eher die Kamera der limitierende Faktor.
Optische Eigenschaften
Man merkt sofort, dass man es mit einem Objektiv von Profis für Profis zu tun hat. Das Nikon AF-S 24-70mm f/2.8 G ED ist in seinem Brennweiten- und Lichstärkenbereich auf Augenhöhe mit vielen älteren Festbrennweiten. Der Vergleich mit älteren Zooms erübrigt sich, die schlägt es um Längen. Hinsichtlich Schärfe, Kontrast und Mikrokontrast kann ich dieses Objektiv schon bedenkenlos bei Offenblende einsetzen.
Wer Pixel zählt, dem fällt schon eine abfallende Schärfe zu den Rändern hin auf, das ist bei Portraits kein Thema, bei Landschaft schon. Hier hilft abblenden – bei f/8 ist es dermaßen scharf und wird besser, je größer die gewählte Brennweite ist.
Im Weitwinkel fällt an den Rändern auch eine stärkere Verzerrung auf, das muss man vor allem dann beachten, wenn man Gruppenportraits fotografiert. Da kann es zu unschön verzerrten Gesichtern kommen. Die Profilkorrektur in Lightroom behebt das etwas aber für meine Ansprüche nicht zufriedenstellend. Ohne Profilkorrektur fällt auch die Vignettierung bei Offenblende auf, diese lässt sich jedoch problemlos korrigieren.
Das Bokeh ist angenehm weich, Bokeh-Balls haben etwas stärkere Ränder aber sind nicht auffallend unschön. Ich habe das Objektiv auch gern für Portraits eingesetzt.

Gegenlicht und Streulicht machen dem Objektiv sehr wenig Probleme. Sowohl Lens-Flares als auch vor allem grüne oder magentafarben Farbsäume spielen fast keine Rolle – ein Vorteil gegenüber ein paar meiner geliebten Festbrennweiten.
Fazit
Ich habe in den letzten zwei Jahrzehnten sehr viele günstige und mittelpreisige Objektive ausprobiert und habe bei einigen der hochpreisigen Modelle die Erfahrung gemacht, dass man bei den Profi-Objektiven wirklich eine andere Qualität erhält. Die Kombination dieses Objektivs mit der Nikon D780 ist absolut zuverlässig.
Ich kann mich in wirklich jeder Situation darauf verlassen stets eine hervorragende Bildqualität zu erhalten. Ich muss mir keine Sorgen machen, wenn es kalt wird oder regnet, ich weiß dass meine Ausrüstung zuverlässig seinen Job macht. Das geht natürlich mit ein paar Nachteilen einher. Das Nikon AF-S 24-70mm f/2.8 G ED ist groß und schwer. Das macht es robust aber auch unpraktisch für Street- oder Reisefotografie. Manche Menschen fühlen sich eingeschüchtert, wenn sie ein so großes Objektiv vor das Gesicht gehalten bekommen. Aber wer eine Taufe, Hochzeit, Konzert oder auch ein Portrait-Fotoshooting erledigen möchte, kann all das bedenkenlos und am selben Tag mit diesem Objektiv schaffen! Bravo Nikon!
Mit zunehmender Verbreitung spiegelloser Systeme kommen viel dieser Objektive auf den Markt. Wer etwas Zeit investiert, konnte 2022 ein sehr gut erhaltenes Exemplar zu Preisen unter 700€, teilweise sogar um die 500€ ergattern. Ich habe sehr viele günstige Standard-Zooms ausprobiert und muss sagen, dass der Unterschied eklatant ist. Bei allen von mir getesteten Objektiven in der Vergangenheit kommt nur das Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D an die Abbildungsleistung dieses Objektivs heran.
Ein absoluter „No-Brainer“!
Beispielfotos aufgenommen mit dem Nikon AF-S Nikkor 24-70mm f/2.8 G ED







