Im Brennweitenbereich von 28-80mm besteht enorme Verwechslungsgefahr. Es gibt verschiedene Nikkore, welche mit Blendenring, welche ohne, in Silber, in Schwarz, mit D-Chip und ohne. Sie alle eint eines: Sie wurden ab den frühen 1990ern von und mit Haruo Sato bei Nikon entwickelt. In diesem Artikel geht es um die von 1994 bis 1999 erschienene Version mit Blendenring und D-Chip. Im Gegensatz zur noch älteren Version ohne D-Chip mit Blendenring, ist sie relativ weit verbreitet und wurde unter anderem als Kit-Objektiv mit Kameras wie der F90, F100 oder auch der D100 ausgeliefert.
Meine Erfahrungen mit dem Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.5-5.6 D
Ich habe mir das Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.5-5.6 D über eine Kleinanzeigenplattform gebraucht gekauft, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, wie ein derart häufig produziertes Objektiv heute dermaßen in der Versenkung verschwinden kann. Man liest relativ wenig über dieses Objektiv, deshalb, wollte ich es gern mal testen.
Für gebraucht ungefähr 30 bis 50€ – mehr kosten die aktuell nicht – bekommt man, egal welche Version man kauft, einen Haufen günstiges Plastik. Aber optisch muss es Unterschiede geben. Das berühmte AF-S G aus den 2000ern hatte ich schon in den Fingern und fand es bestenfalls mittelmäßig – nachzulesen im Erfahrungsbericht zum Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G. Deshalb habe ich jetzt noch einen Versuch gewagt und mir eins gekauft.
Mechanische Eigenschaften.
Meine Version stammt vermutlich zwischen 1996 und 1999, ist ungefähr 77mm lang, wenn es bei knapp 50mm eingestellt ist und wiegt ungefähr 225g. So ein Leichtgewicht hat viel Kunststoff und wenig Glas und Metall. Der Kunststoff fühlt sich wider Erwarten nicht so billig an, wie beim Nikon AF-S 28-80mm f/3.3-5.6 G. Bajonett und auch das 58mm Filtergewinde sind aus Kunststoff. Abdichtung gegen Staub und Schmutz gibt es keine.

Ich teste das Objektiv 2026 und auch nach fast 30 Jahren ist das Plastik kaum gealtert. Der große Zoomring ist angenehm zu bedienen und es lässt sich gut zoomen. Die mechanische Präzision ist mittelmäßig, man spürt überall die Hartplastikkomponenten. Der Fokusring an der Frontlinse ist sehr schmal – ich habe den Eindruck, als ob man in den frühen Tagen des Autofokus davon ausgegangen ist, dass niemand mehr jemals manuell fokussieren möchte. Man kann damit fokussieren, aber es macht nicht wirklich Spaß.

Sehr angenehm ist, dass diese Ausführung einen mechanischen Blendenring beinhaltet, so dass man das Objektiv auch an mechanischen Kameras verwenden kann.
An DSLRs wird jedem Nutzenden auffallen, dass aufgrund der geringeren Lichtstärke ein deutlich dunkleres Sucherbild im optischem Sucher das Fokussieren etwas schwerer machen wird.

An meinem Exemplar fällt mir an der D780 auf, dass ich hin und wieder die Blende laut Display bis f/36 verstellen kann, obwohl die kleinste Blendenöffnung f/22 ist. Ggf. gibt es zwischen so alten Objektiven und der modernen D780 geringfügige Kompatiblitätsprobleme. Aber im Alltag bewege ich mich mit dem Objektiv zwischen f/8 und f/11.
Optische Eigenschaften
Ich habe nichts erwartet und bin deshalb positiv überrascht. Dass diese Objektive bei Offenblende nicht so richtig toll sind, war zu erwarten. Aber diese Variante ist gar nicht so schlecht, wie gedacht. Wenn man es richtig einsetzt, bekommt man bessere Fotos, als erwartet.
Bei Offenblende sind sowohl im Weitwinkel als auch im Tele die Randbereiche, insbesondere die Bildecken sehr weich, Konturen verschwimmen zu Matsch, feine Details werden nicht aufgelöst. Bei stärkerem Seitenlicht oder Gegenlicht bilden sich um gerade Linien – bspw. Äste von Bäumen – grünliche oder magentafarbene Farbsäume, die ich teilweise ganz gut in Lightroom korrigieren konnte. Da ich bei diesem Objektiv abblenden grundsätzlich empfehlen würde, sollte man nicht zu häufig in diese Situation kommen. Das reduziert auch die Vignette erheblich. Diese verschwindet schon bei geringem Abblenden, so ab f/5.6. Ab f/8 sehe ich sie nicht mehr und mir ist sie auch nicht als sehr störend aufgefallen.
Also abblenden lautet die absolute Grundregel! Ab f/8 kann man ganz gute Fotos machen, ich habe meistens f/8 bis f/11 verwendet, danach wird es wieder schlechter. Abgeblendet ist das Zentrum bei f/8 ganz gut, bei f/11 am besten. Okay, ein Objektiv, das erst ab f/8 einsetzbar ist, ist vielleicht nicht ideal, aber für 30 bis 40€ akzeptabel.
Kontrast und Farbwiedergabe sind abgeblendet okay, die Farben typisch für diese Fertigungsperiode etwas kühler. Bei Offenblende oder Gegenlicht kann man den Kontrasten in der Postproduktion etwas nachhelfen – aber alles viel besser als beim Nikon AF-S Nikkor 28-80 f/3.3-5.6 G.
Das Bokeh dieser Variante wird durch nur sieben Blendenlamellen erzeugt. Die Bokeh-Balls sind nicht besonders rund und haben stark betonte Ränder, so dass der Hintergrund doch sehr unruhig wird, das fällt besonders im Telebereich auf.


Ich würde es deshalb nicht bevorzugt für Portraits einsetzen.
Auffällig ist die starke Verzeichnung, besonders bei 28mm. Die ist auch nicht ganz so einfach zu korrigieren. Wer damit Architekturaufnahmen machen möchte, sollte entsprechend Zeit für die Nachbearbeitung einplanen oder gleich ein anderes Objektiv verwenden.
Fazit zum Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.5-5.6 D
Ich habe ein viel schlechteres Objektiv erwartet. Die Verarbeitungsqualität ist okay, es ist günstiges Plastik aber Nikon hat auch noch schlechtere Objektive gefertigt. Verglichen mit billigen Sigma- oder Tamron-Zooms aus der Zeit, ist es sogar besser.
Es gibt genügend gebrauchte Exemplare, dass man ein günstiges finden sollte. Im Zweifelsfall einfach länger suchen. Optisch hätte ich es viel schlechter erwartet. Ich bin durch das Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G vorgeschädigt. Grundregel ist: Abblenden, abblenden, abblenden. Das verbessert nahezu alle kritischen Parameter des Objektivs, bis auf die starke Verzeichnung.
Aber es gibt für nicht viel mehr Geld deutlich bessere Alternativen: Das Nikon AF Nikkor 28-70mm f/3.5-4.5 D ist das deutlich bessere Objektiv für nur minimal mehr Geld!
Beispielfotos mit dem Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.5-5.6 D







