Das hier beschriebene MIR-1B 2.8/37 ist ein 37mm Weitwinkelobjektiv für Kameras mit M42 Anschluss. Es ist ein sowjetischer Nachbau des bei Carl Zeiss Jena in der DDR gefertigen Flektogon 35mm Objektiv und wurde ursprünglich bei Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod (KMZ) gefertigt, später auch von anderen Fabriken. Man begann dort Objektive nach Spezifikationen zu fertigen, die auf Unterlagen von Carl Zeiss Jena beruhten, die man im Zweiten Weltkrieg erobert hatte. Die Ursprungsversion des MIR-1 erschien 1958 und machte vor allem durch sein Swirly Bokeh auf sich aufmerksam. Es war für 35mm Kameras gefertigt und kam für verschiedene Anschlüsse auf den Markt.
Meine Erfahrungen mit dem MIR-1B 2.8/37
Dieses Objektiv habe ich nicht bewusst gekauft sondern mein Schwiegervater hat damit zu Sowjetzeiten an Analogkameras fotografiert. Jahrelang lag es unbenutzt auf dem Speicher, bei einem Besuch hat er es mir vor vielen Jahren geschenkt. Also habe ich mir einen M42 Adapter für das Nikon F Bajonett besorgt.
Meine Wahl viel hier auf den Wecellent M42 Adapter mit Ausgleichslinse – so kann ich auch problemlos auf Unendlich fokussieren. Der Adapter beeinflusst die Optik erstaunlich wenig, was ich auch mit anderen Objektiven testen konnte. Ich habe dazu auf einer anderen Website einen Testbericht veröffentlicht: Klassische M42 Objektive an Nikon F
Dazu gibts auch ein Video auf meinem YouTube-Kanal:

Ich habe noch keinen Adapter für M42 auf Nikon Z ausprobiert, das habe ich zu einem späteren Zeitpunkt geplant und aktualisiere diesen Erfahrungsbericht.
Meine Erfahrungen beziehen sich nur auf den Einsatz an der digitalen Nikon Df und an der Nikon D780 für Fotoaufnahmen. In vielen Blogs habe ich inzwischen einen gewissen Hype um dieses Objektiv für Videoaufnahmen wahrgenommen. Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts schreiben.
Mechanische Eigenschaften
Das MIR-1B 2.8/37mm eignet sich als leichtes Weitwinkel gut für Street-Fotografie. Es ist sehr kompakt, vollständig aus Metall und Glas gefertigt und macht einen hochwertigen Eindruck. Mein Exemplar ist äußerlich schon ziemlich mitgenommen, das hat jedoch auf die Funktion keine Auswirkung. Optisch gibt es bei diesem Objektiv viel Licht und Schatten. Zunächst einmal gibt es ein Feature, was es besonders für das Filmen mit DSLRs eignet: Es hat eine stufenlos verstellbare Blende, so dass Abblenden auch während des Filmen möglich ist. Dabei kann über einen Aretierring die minimale Blendenöffnung eingestellt werden, so dass beispielsweise von f/2.8 bis f/5.6 abgeblendet werden kann aber nicht weiter.

Die Schnecke zum Fokussieren ist leichtgängig und ermöglicht sehr präzises Scharfstellen – das bringt folgendes Problem mit sich: Man muss unglaublich lange drehen um von unendlich in den Nahbereich zu kommen, etwa 270°. So etwas bin ich von Makro-Objektiven gewöhnt, bei diesem Objektiv ist es schon etwas nervig im Alltagsbetrieb. Und Makrotauglich ist es sowieso nicht, der Mindestabstand zum Motiv beträgt etwa 70cm.

Eigentlich sind das für mich auch die Hauptgründe, warum ich es sehr wenig nutze. Ich brauche im Alltag sehr lange zum Fokussieren und mit dem Adapter wird das Sucherbild extrem dunkel. D.h. ich fokussiere bei Offenblende und blende dann auf die gewünschte Blende ab. Das entschleunigt natürlich und erinnert eher an das Fotografieren mit einer voll mechanischen Kamera. Aber für Street Photography ist das oft zu langsam.
Optische Eigenschaften
Als kleiner Disclaimer vorweg: Ich verwende das Objektiv an einem Adapter mit Korrekturlinse. Ich kann nicht sagen, ob das Objektiv ohne diese Korrekturlinse besser performt. Allerdings habe ich an diesem Adapter auch schon andere Objektive verwendet und dort gute Erfahrungen gemacht.
Zur Schärfe: Bei Offenblende ist es erwartungsgemäß sehr weich. Abblenden bringt deutliche Verbesserung, ab f/4 bis f/5.6 würde ich es als brauchbar bezeichnen. Richtig scharfe Bilder kann ich ab f/8 bis f/11 erzeugen. Das ist für mich für den Alltag nicht so richtig brauchbar.
Das Bokeh ist angenehm, weiche Übergänge und auch schöne Bokeh-Balls. Diese verdankt das Objektiv einer Konstruktion mit 10 Lamellen in der Blende. Das Objektiv hat noch eine wirkliche Besonderheit: Es erzeugt bereits bei geringem Seitenlichteinfall starke Lensflares. Für den jenigen, der das als künstlerischen Effekt einsetzen möchte, ist das ein tolles Feature. Für alle anderen ist das grauenhaft, denn es versaut viele Aufnahmen. So starke Lensflares habe ich bislang bei keinem Objektiv gesehen und das ist einer der Gründe, warum ich es in der Dämmerung nur „bewusst“ einsetze.
Mein Fazit zum MIR-1B 2.8/37
Wer eine Nikon Kamera besitzt, muss dieses Objektiv in jedem Fall adaptieren. Entweder an den Z-Mount oder an den F-Mount, ganz egal welche Fassung das Objektiv besitzt. Wer sich darauf einlassen möchte, kann sehr kreative Fotos mit dem MIR-1B 2.8/37 machen. Durch den Hype um dieses Objektiv für die Videografie hat sich der Gebrauchtpreis sehr stark nach oben entwickelt. Gut erhaltene Exemplare kosten deutlich über 100€, die gab es vor einigen Jahren noch fast geschenkt.
Wer für seine Nikon Kamera ein Objektiv in diesem Brennweitenbereich ohne Adapter-Zwang sucht, kann sich mal die Alternativen im Bereich 35mm ansehen. Für Nikon F gibt es von Nikon das Nikon AI Nikkor 35mm f/2.8, mit Autofokus das Nikon AF Nikkor 35mm f/2.0 D und wer etwas Geld übrig hat, kann auch mal einen Blick auf das Nikon AI-s Nikkor 35mm f/1.4 oder das Voigtländer Ultron 40mm f/2.0 werfen.
Aus emotionalen Gründen behalte ich mein Exemplar und habe mir vorgenommen, es mal mit einem Nikon Z zu M42 Adapter an der Zfc zu verwenden.
Beispielfotos mit dem MIR-1B 2.8/37




