Das Motto dieses Artikels soll heißen „Keine Angst vor alten Objektiven!“. Nikon setzt seit 1959 auf das F-Bajonett. Das hat heute im digitalen Zeitalter sicher einige Nachteile aber es ermöglicht uns auf tausende Objektive allein von Nikon zuzugreifen. Dieser Artikel erklärt wie man analoge Objektive und frühe Autofokus Objektive an modernen Nikon Spiegelreflexkameras verwenden kann, welche Einschränkungen es gibt. Es lohnt sich, man bekommt hochwertige Objektive für kleines Geld.
Es gibt verschiedene Nikon System-Kameras mit verschiedenen Anschlüssen, am verbreitetesten ist das Nikon F Bajonett. Daneben gibt es noch Objektive für Nikon Messsucherkameras wie die S3, das Nikon 1 System aus den 2010er Jahren und natürlich das 2018 erschienene Nikon Z-System.
Nikon verkauft seit 1959 Kameras und Objektive mit dem F-Bajonett. Zunächst für analoge Filmkameras, seit den 1990ern auch für Digitalkameras. Neue Objektive mit F-Bajonett, wie die AF-S und AF-P Nikkore sind nicht mehr kompatibel mit analogen Kameras – umgekehrt geht das jedoch schon. Einige Leser haben mich gefragt, welche Objektive an ihren modernen Digitalkameras verwendet werden können. Deshalb habe ich diesen Artikel unter das Motto gestellt „Keine Angst vor alten Objektiven!“.
Ältere Objektive verfügen selbstverständlich nicht über all die Features, wie Bildstabilisatoren, Ultraschallmotoren oder Elektronische Blenden, über die moderne Objektive verfügen. Das bedeutet, dass bei Verwendung an einer modernen Kamera auf ein paar dieser Dinge verzichtet werden muss. Wer sich über diese Tatsache im Klaren ist, wird viel Freude an älteren Objektiven haben, die in vielen Fällen tolle Abbildungsleistungen liefern.

Schritt 1: Welche digitale Nikon F Kamera und welches Objektiv passen zusammen?
Zunächst muss man sich vergewissern, für welche Art Kamera ein Objektiv gesucht wird. Bei den digitalen Kameras mit Nikon F-Bajonett unterscheidet man zwei Typen. Der Autofokusmotor ist ein Antrieb, der mechanisch den Autofokus im Objektiv antreibt. Das wird häufig als „Stangenantrieb“ bezeichnet.
Verfügt die Kamera über einen Autofokusmotor?
Digitale Nikon F Kameras ohne integrierten Autofokusmotor
D40, D60, D3000, D3100, 3200, D3300, D3400, D5000, D5100, D5200, D5300, D5500
Schritt 2: Was für ein Objektiv hat man vor sich?
Wenn man das Objektiv noch nicht besitzt und aus den Informationen in der Artikelbeschreibung nicht so richtig schlau wird, reicht oft auch ein Blick auf das Bajonett. Bei Nikon F-Kameras wird das in den häufigsten Fällen wie bei einem dieser drei Aufnahmen aussehen:

Nikon AI- oder AI-S Anschluss. Zu erkennen am Blendenmitnehmer, hier links unten. Es gibt keine elektronischen Kontakte und einen Blendenring, um die Blende manuell einzustellen.

Nikon AF- oder AF-D Objektiv. Zu erkennen an der Kopplung für den AF-Antrieb, sieht aus wie eine Schlitzschraube. Hier rechts unten. Es gibt elektronische Kontakte und einen Blendenring, um die Blende manuell einzustellen.

Nikon AF-S oder AF-P Objektiv. Es gibt keinen Blendenring, um die Blende manuell zu verstellen sowie elektronische Kontakte.
Im Wesentlichen wurden folgende Typen von Objektiven für analoge Nikon-Kameras gebaut:
Nikon F
ab 1959, auch Non-AI genannt mit mechanischer Blendenübertragung über „Hasenohren“
Nikon AI (Adaptive Indexing)
ab 1977 mit geänderter mechanischer Blendenübertragung am Blendenring
Nikon AI-s (Adaptive Indexing Shutter)
ab 1981 mit Blendensteuerung über die Kamera. Shutter-Priority wurde eingeführt.
Nikon AF (Autofocus)
ab 1986. Nikons erste Autofokus Objektive. Später auch AF-N genannt. Elektronische Blendenübertragung.
Nikon AF-D (Autofocus Distance)
ab 1992 mit D-Chip für optimierte Blitzbelichtung, ansonsten identisch zu AF.
AF-I (Autofocus Integrated)
ab 1992 mit in das Objektiv integriertem Autofokusmotor
Später führte Nikon dann die G-Objektive (gelded) ohne Belendenring mit elektronischer Übertragung ein, die nicht mehr an analogen Kameras verwendet werden können.
Nikon AF-S (Autofocus Silent Wave Motor)
ab 1992 mit integriertem Ultraschallmotor für schnellen Autofokus.
Nikon AF-P (Autofocus Pulse)
ab 2016 mit Schrittmotor zur geräuschfreien und flüssigen Autofokussteuerung für Videoaufnahmen
Schritt 3: Was passt zusammen?
Wenn klar ist, welche Kamera und welches Objektiv zusammengebracht werden sollen, helfen die folgenden Schritte, um festzustellen, was funktioniert und was nicht. Ich fange mit den modernen Objektiven an, je weiter unten, desto älter.
Verwendung von AF-S Objektiven an Nikon F Digitalkameras
Moderne Nikon AF-S Objektive können uneingeschränkt an allen digitalen Nikon Kameras mit F Bajonett verwendet werden.
Verwendung von AF- und AF-D Objektiven an Nikon F Digitalkameras
Nikon AF- und AF-D Objektive sind keine analogen Objektive, denn sie kommunizieren bereits elektronisch mit der Kamera. Nikon führte Ende der 1980er Jahr den Autofokus in seine analogen Kameras und Objektive ein. Die Scharfstellung erfolgte (außer in Nikons allererster AF-Kamera und Objektiv-Kombination) über einen Motor, der in der Kamera integriert ist und über ein Gestänge auf das Objektiv übertragen wird.
Die Übertragung der Blendeninformation vom Objektiv erfolgt elektronisch über die Pins am Bajonett, es ist aber auch eine AI-Blendenkupplung und ein Blendenring vorhanden, so dass die Objektive an klassischen analogen Kameras verwendet werden können.
Bei Verwendung eines analogen Autofokus-Objektivs vom Typ Nikon AF oder Nikon AF-D an einer Kamera ohne integrierten Motor, ist kein Autofokus verfügbar, auch wenn es sich um ein Autofokus-Objektiv handelt.
Viele dieser Objektive sind als Restposten immer noch neu erhältlich, wie das grandios gute 105mm DC oder die Klassiker Nikon AF Nikkor 24mm f/2.8 D, Nikon AF Nikkor 28mm f/2.8 D, Nikon AF Nikkor 35mm f/2.0 D oder Nikon AF Nikkor 50mm f/1.8 D. Wer also unbedingt Autofokus benötigt – das kommt nicht nur auf die Bequemlichkeit sondern auch auf die Wahl des Motivs an, kann mit Kameras ohne eingebauten AF-Motor nicht auf den Schatz alter analoger Objektive zurückgreifen. Ansonsten kann mit AF- und AF-D Objektiven an diesen Kameras manuell fokussiert werden. Die meisten dieser Objektive fühlen sich dabei jedoch nicht sehr präzise an, weshalb ich empfehlen würde, gleich auf ein echtes manuell fokussierendes Objektiv aus der AI- und AI-s Serie zurückzugreifen.
Nutzer von Kameras mit integriertem AF-Motor sollten sich im klaren sein, dass die AF-Performance des Stangenautofokus nicht mit der von modernen Ultraschall AF-Motoren vergleichbar ist. Bei kompakten Objektiven von 20mm bis 85mm ist die AF-Geschwindigkeit noch akzeptabel. Bei Teleobjektiven, wie dem Nikon AF Nikkor 70-210mm f/4 dauert es manchmal schon eine gefühlte Ewigkeit, bis der AF sitzt. Für Situationen mit schnellen Motivwechseln, sei es Sportfotografie oder spielende Kinder, ist ein AF und AF-D Objektiv also nicht immer perfekt geeignet. Aber das war der Industriestandard für fast 20 Jahre und es sind viele großartige Fotos damit gemacht worden – es geht also auch damit.
Verwendung von analogen AI- und AI-s Objektiven an Nikon F Digitalkameras
Viele von Nikons AI und späteren AI-s Objektiven sind sowohl optisch als auch mechanisch sehr empfehlenswert. Sie wurden in erheblichem Umfang von Hand in Japan gefertigt und sind entsprechend erstklassig verarbeitet. Ob ein modernes Nikon AF-P oder AF-S Nikkor in 40 Jahren auch noch so gut funktioniert, wie ein AI wage ich zu bezweifeln – aber wir werden es hoffentlich herausfinden.
Ich habe zu klassischen AI- und AI-s Objektiven auch einen weiteren Artikel auf meiner Website www.christianmitschke.de geschrieben: Manuelle Nikon-Objektive
Bei der Verwendung von AI und AI-s Objektiven gibt es ein paar Dinge zu beachten. Die Übertragung der Blendeneinstellung erfolgt über den kleinen AI-Mitnehmer am Blendenring des Objektives. Nicht zu verwechseln mit dem großen Blendenabnehmer der Nikon F-Generation, auch Hasenohren genannt. Die Kamera „weiß“ also nicht, welches Objektiv sich an ihr befindet, weil keine elektronische Kommunikation stattfindet. Man muss der Kamera entsprechend mitteilen, welches Objektiv montiert ist.

Das kann an den Kameras der Modellserien D1, D2, D3, D4, D5, D300, D500, D7XX, D8XX, D7XXX sowie der Df in den Einstellungen gemacht werden, wie im folgenden Artikel auf www.christianmitschke.de beschrieben ist: Manuelle Nikon AI oder AIS Objektive an digitaler Spiegelreflexkamera
Dann können die Kamera-Modi M, also voll manuell oder A für Zeitautomatik gewählt werden und die Kamera gibt entsprechend Automatisch die korrekte Belichtungszeit an. Für die Belichtungsmessung können alle Modi genutzt werden, die die Kamera bietet. Abgesehen vom Autofokus und der Blendenautomatik sind diese Objektive fast ein vollwertiger Ersatz für ein modernes Objektiv – zu einem deutlich geringeren Preis.
An allen anderen Kameras, außer den oben genannten Kamera-Modellserien können diese Objektive nur im Modus M, also voll manuell genutzt werden. In allen anderen Einstellungen wird der Auslöser nicht funktionieren. Auch der Belichtungsmesser funktioniert nicht, man muss sich selbst an die korrekte Belichtung herantasten. Aber man kann mit diesem Objektiven fotografieren. Insbesondere für Bereiche, in denen häufig sowieso manuell fokussiert wird, wie Makrofotografie, lohnt sich der Kauf eines AI oder AI-s Objektives.
AI und AI-s Objektive können mit sog. Dandelion CPUs ausgerüstet werden, so dass sie elektronisch mit der Kamera kommunizieren können und somit zu modernen Nikon-Kameras kompatibel sind und auch die Objektiv-Daten im EXIF hinterlegt sind. Solche Objektive können auch heute neu, beispielsweise von Drittherstellern wie Samyang oder Cosina (Voigtländer oder Zeiss) erworben werden.
Verwendung von ursprünglichen Nikon F Objektiven (Non-AI) an Nikon F Digitalkameras
Die klassischen Nikon F-Objektive ohne AI-Kupplung sind nur bedingt kompatibel mit modernen Spiegelreflexkameras. Derzeit können sie nur mit der Nikon Df ohne weitere Einschränkungen benutzt werden. Dazu muss die AI-Blendenkupplung am Bajonett hochgeklappt werden.
Anschließend müssen die Objektivdaten in die Kamera eingegeben werden und Non-AI für die Belichtungsmessung eingegeben werden. Anschließend kann das Objektiv benutzt werden, indem sowohl am Objektiv, als auch in der Kamera die Blende eingestellt wird.
Da die AI Blendenkupplung an anderen Kameras nicht hochgeklappt werden kann, ist eine Nutzung dieser Objektive nicht möglich, ohne Objektiv oder Kamera zu beschädigen.
Für andere Kameras ist eine Umrüstung von non-AI auf AI möglich. Dazu wird entweder in den Blendenring die AI-Kupplung eingefeilt oder der Ring durch einen Ring mit Blendenkupplung ausgetauscht. Anschließend kann das Objektiv wie im letzten Kapitel beschrieben, benutzt werden.
Fazit: Keine Angst vor alten Objektiven!
Ja, es gibt Einschränkungen. Besonders an den Consumer-Modellen ohne Autofokusmotor ist die Verwendung von AI- und AI-s Objektiven ausschließlich im manuellen Modus möglich. Aber das ist auch eine Chance die Grundlagen der Fotografie besser verstehen zu lernen. Mit der Zeit wird man ähnlich gute Fotos machen, wie bei Belichtungseinstellung durch die Kamera. Ich empfehle in RAW zu fotografieren, dann kann man in der Postproduktion ggf. noch einmal eingreifen und die Belichtung nachträglich korrigieren.
Besonders an semiprofessionellen und professionellen Modellen von Nikon ist die Verwendung von nahezu allen F-Bajonett Objektiven, die Nikon seit 1977 hergestellt hat, möglich und absolut empfehlenswert. Es gibt eine große Auswahl an Objektiven zu niedrigen Preisen bei hervorragender Bildqualität und Verarbeitung.
Besitzer einer Nikon Df können sich freuen. Nahezu alle Objektive seit 1959 können an die Kamera montiert werden und man kann mit Klassikern, wie den 135er oder 200mm Q Nikkoren viel Freude bei kleinem Budget haben.
