Mit der 2013 erschienenen Nikon Df versucht Nikon an seine klassischen Analogkameras wie der F3 oder auch der FM-Serie anzuknüpfen und sie mit den Genen der digitalen Modelle auszustatten. Sie passt damit in den derzeit angesagten Retro-Look.
Die Markteinführung wurde mit einer Kampagne mit dem Slogan „Pure Photography“ begleitet. Die Df fokussiert sich entgegen des damaligen Trends zu Hybridkameras ausschließlich auf Fotografie. Sie ist mit allen Nikon F Objektiven ab 1959 kompatibel und damit bis heute ein einmaliges Produkt im Lineup des japanischen Herstellers.
Meine Erfahrungen mit der Nikon Df
Ich bin von der Nikon D700 auf die Df umgestiegen, habe diesen Artikel schon 2015 geschrieben und nach über 10 Jahren noch einmal aktualisiert. Die Nikon Df ist eine digitale Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor, d.h. die Sensorgröße entspricht etwa der eines Kleinbildnegativ (32mm x 24mm). Dieser Sensor stammt aus dem fast dreimal so teuren Topmodel Nikon D4 bzw. D4s und löst mit 16 Megapixeln moderat auf. Die Nikon Df hat mich über einen Zeitraum von knapp 6 Jahren auf den meisten Reisen begleitet. Ich habe mit ihr zahlreiche Konzerte, Ausstellungen und vor allem Street fotografiert. Aber auch für viele Portraits und für Landschaftsaufnahmen kam die Df bei mir zum Einsatz.
Das Gehäuse der Nikon Df
Die Nikon Df hat ein von Anfang an sehr polarisierendes Gehäusedesign. Das gesamte Gehäuse der Df besteht aus Kunststoff und Magnesium und ist mit knapp 750g sehr leicht. Es war zu seiner Zeit das leichteste Vollformat-Spiegelreflexkameragehäuse im Markt. Das Prismengehäuse mit Retro-Schriftzug und die Oberseite erinnern an die FM-Kameras. Man hat über klassische Drehschalter aus Metall Zugriff auf Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, Lichtempfindlichkeit und Programm. An der Vorderseite kann man über einen Drehschalter die Blende wählen, wenn man ein Objektiv ohne Blendenring verwendet.

Der ganze Rest des Gehäuses erinnert eher an eine D610 oder D810, man fühlt sich also gleich wohl und kennt alle Funktionen. Ich persönlich finde das Gesamtkonzept ist nicht ganz zu Ende gedacht. Wenn die Drehschalter für Blendenwahl und Belichtungszeit jeweils noch eine „Automatik“-Stellung hätten, wäre das Programmwahlrad überflüssig und man würde die Schalter häufiger nutzen. Auch fehlt die Einstellung „Automatik“ für die Lichtempfindlichkeit – diese muss im Menü gesetzt werden. Das alles ist etwas unlogisch und wirklich schade. Fuji hat gezeigt wie man es besser macht. Aber immerhin ist Nikon absolut konsistent und wendet die gleiche Systematik auch bei den Retrokameras mit Z-Bajonett – der Nikon Zfc und der Nikon Zf – an.
Der Sucher ist wunderbar groß und hell, meiner Erfahrung nach ist damit auch das manuelle Fokussieren mithilfe des Fokus-Indikators gut möglich, auch wenn Nikon keine Schnittbildmattscheibe verbaut hat. Viele andere Reviewer haben das kritisiert, ich fotografiere in der Tat häufig mit AI und AI-S Objektiven und hatte dennoch keine großen Probleme beim Scharfstellen – das ist Gewöhnungssache.

Nikon hat in die Df das Autofokussystem der D6XX Reihe integriert und damit die größte Schwachstelle der Kamera geschaffen. Die 39 AF-Sensoren sind sehr zentral verteilt, daran konnte ich mich jedoch noch gewöhnen. Die Treffsicherheit und Geschwindigkeit selbst mit teuren AF-S Objektiven ist jedoch nur bei gutem bis mittelmäßigem Licht im akzeptablen Bereich. Sobald die Lichtverhältnisse schwieriger werden, trifft der AF nicht mehr zuverlässig oder braucht sehr lang. Nikon hat, möglicherweise aus Design-Gründen, auch noch das AF-Hilfslicht weggelassen, was die Leistung im Dunklen noch stärker reduziert. Ich verstehe das nicht einfach nicht. Wer kombiniert eine Kamera mit dem besten verfügbaren Low-Light Sensor und spart so stark am AF-System? Die Df hat einen eigenen AF-ON Button, wie die D700 und D8XX auch. Das ist hilfreich, ich fotografiere ausschließlich mit Back-Button-Focus, so kann ich das Problem der so zentral liegenden AF-Felder umgehen, indem ich fokussiere, dann die Komposition mache und dann auslöse. Wenn der AF dabei im AF-C Modus ist, funktioniert das ganz gut. Mit AF-C habe ich bessere Erfahrungen als mit dem AF-C 3D gemacht. Man kann auch Gruppen um einen Fokuspunkt aktiv schalten, so dass statt einem 9 Autofokus-Punkte in einem Bereich ein Motiv verfolgen können. Das ist nicht zu verwechseln mit dem Gruppen-Autofokus, den es leider in der Df nicht gibt.

Dennoch liebe ich meine Df, denn im Alltag ist die besonders mit kleinen Festbrennweiten, wie dem Nikon AF-S Nikkor 50mm f/1.8 G oder dem Nikon AI Nikkor 28mm f/2.8 eine unauffällige Begleiterin mit herausragender Bildqualität. Ich fotografiere ausschließlich in RAW, dabei sieht man das wahre Potential des 16MP Sensors. Das Gehäuse ist extrem leicht und für kleinere Objektive gut ausbalanciert. Ich halte die Kamera eher wie eine FM am Objektiv, da der Handgriff etwas kleiner ist – was mich nicht stört. Ich lasse in der Regel auch den Tragegurt weg, weil er bei dem geringen Gewicht schlichtweg nicht nötig ist und – ein weiterer Nachteil – die Halteösen am Gehäuse an ungünstigen Stellen angebracht sind. Die Handhabung ist auch mit größeren Objektiven, wie dem Nikon AF Nikkor 70-210 f/4 in Ordnung, jedoch nicht so komfortabel wie an einer D700 oder D8XX.
Ein weiterer Punkt, der für einige Nikon-Fans interessant sein sollte, ist die Kompatibilität der Objektive. Man kann an die Df nämlich auch Objektive vor der AI-Ära montieren, so dass man eigentlich alles kaufen kann, was Nikon seit Markteinführung des F-Bajonett 1959 hergestellt hat. Und da sind durchaus ein paar Sahnestücke dabei. Sie fühlen sich genauso gut an der Df an, wie an einer FM2.
Das Gehäuse hat kein Blitzgerät integriert, ich habe es auch bislang nicht vermisst, weil ich durch das gute Lichtverhalten häufig das Umgebungslicht nutzen kann. Über den üblichen Blitz- oder Zubehörschuh kann ein GPS oder Blitzgerät befestigt werden.
Ein Punkt ist mir in den 6 Jahren merklich aufgefallen: Der Sensor meiner Df war viel häufiger verschmutzt, als der anderer Kameras, die ich davor oder parallel verwendet hatte. Ggf. ist das Gehäuse nicht so gut gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet, wie bei anderen Kameras.
Die Bildqualität der Nikon Df
Der eigentliche Clou der Kamera ist neben dem Design der 16 Megapixel Sensor, der auch in Nikons Topmodell D4 und D4s verbaut wurde. Der glänzt durch ein überragendes Rauschverhalten bei hohen Lichtempfindlichkeiten. Das ist meines Erachtens nach sogar bis ISO12.800 durchaus verwendbar. Da die native Bandbreite des Chip von ISO100 bis ISO12.800 reicht und sich diese Bereiche sowohl nach unten als auch nach oben erweitern lassen, kann man diesen Sensor für beinahe jeden Zweck einsetzen und erhält immer eine extrem hochwertige Bildqualität.
Farbwiedergabe und Kontrast sind bis ISO6.400 auf höchstem Niveau, danach wird es erwartungsgemäß etwas schlechter aber immer noch meilenweit vor den Wettbewerbern und durch Nachbearbeitung mit Software beherrschbar.
Die Nikon Df gehört für mich in Sachen Farbwiedergabe und Kontrast auch bei höheren ISOs zu den besten Kameras, die ich je in der Hand hatte.
Mein Fazit zur Nikon Df
Mein Fazit zur Nikon Df fällt insgesamt sehr gut aus, auch wenn ich ein paar Dinge wirklich nicht nachvollziehen kann. Man bekommt mit der Nikon Df eine Nikon D4 im Look einer FM zum kleinen Preis, bei der man besonders beim Autofokus und dem Bedienkonzept Abstriche machen muss. Dafür ist die aufgrund der Kompaktheit und des geringen Gewichts der perfekte Reisebegleiter.
Die Kamera macht vor allem mit manuellen Nikon Festbrennweiten, wie dem phantastischen AI-s 28mm 2.8 oder auch den von Cosina gefertigten Objektiven von Voigtländer oder Zeiss so richtig Freude.
Die Gebrauchtpreise sind derzeit bei ungefähr 1000€ – das ist ein akzeptabler Preis, zu dem man – wenn man mit den Nachteilen leben kann – eine wirklich gute Alltagskamera bekommt, die auf der aktuellen Retrowelle gut mitschwimmt. Kombiniert man die Kamera bspw. mit einem modernen Voigtländer 55mm f/1.2 hat man eine solide und vor allem unauffällige Street Photography Allzweckwaffe.
Ich habe mich 2021 von der Nikon Df getrennt, weil ich insbesondere auf den vielen Veranstaltungen, die ich fotografiere eine Kamera mit Klappdisplay und zuverlässigem Autofokus benötige. Aber für Street Photography ist und bleibt es meine Lieblingskamera – ich hätte schon fast 2 Mal wieder eine gekauft.
