Keine Angst vor alten Objektiven! Analoge Objektive an Nikon DSLR

Keine Angst vor alten Objektiven!

Das Motto dieses Artikels soll heißen „Keine Angst vor alten Objektiven!“. Nikon setzt seit 1959 auf das F-Bajonett. Das hat heute im digitalen Zeitalter sicher einige Nachteile aber es ermöglicht uns auf tausende Objektive allein von Nikon zuzugreifen. Dieser Artikel erklärt wie man analoge Objektive und frühe Autofokus Objektive an modernen Nikon DSLR verwenden kann, welche Einschränkungen es gibt. Es lohnt sich, man bekommt hochwertige Objektive für kleines Geld.

Nikon Objektive mit F-Bajonett

Nikon verkauft seit 1959 Kameras und Objektive mit dem F-Bajonett. Zunächst für analoge Filmkameras, seit den 1990ern auch für Digitalkameras. Neue Objektive mit F-Bajonett, wie die AF-S und AF-P Nikkore sind nicht mehr kompatibel mit analogen Kameras – umgekehrt geht das jedoch schon. Einige Leser haben mich gefragt, welche Objektive an ihren modernen Digitalkameras verwendet werden können. Deshalb habe ich diesen Artikel unter das Motto gestellt „Keine Angst vor alten Objektiven!“.

Ältere Objektive verfügen selbstverständlich nicht über all die Features, wie Bildstabilisatoren, Ultraschallmotoren oder Elektronische Blenden, über die moderne Objektive verfügen. Das bedeutet, dass bei Verwendung an einer modernen Kamera auf ein paar dieser Dinge verzichtet werden muss. Wer sich über diese Tatsache im Klaren ist, wird viel Freude an älteren Objektiven haben, die in vielen Fällen tolle Abbildungsleistungen liefern.

Im Wesentlichen wurden folgende Typen von Objektiven für analoge Nikon-Kameras gebaut:

  • Nikon F Objektive, auch Non-AI genannt ab 1959
  • Nikon AI Objektive ab 1977
  • Nikon Ais Objektive ab 1981
  • Nikon AF Objektive ab 1986 (technisch identisch mit AF-N ab 1990)
  • Nikon AF-D Objektive ab 1992
  • Nikon AF-I Objektive mit integriertem AF-Motor ab 1992

Später führte Nikon dann die G-Objektive (gelded) ohne Belendenring mit elektronischer Übertragung ein, die nicht mehr an analogen Kameras verwendet werden können.

  • Nikon AF-S Objektive ab 1992
  • Nikon AF-P Objektive ab 2016

 

Verwendung von Autofokus-Objektiven Nikon AF und Nikon AF-D

Diese Objektive sind keine analogen Objektive, denn sie kommunizieren bereits elektronisch mit der Kamera. Nikon führte Ende der 1980er Jahr Autofokus in seine analogen Kameras und Objektive ein. Die Scharfstellung erfolgte (außer in Nikons allererster AF-Kamera und Objektiv-Kombination) über einen Motor, der in der Kamera integriert ist und über ein Gestänge auf das Objektiv übertragen wird. Die Übertragung der Blendeninformation vom Objektiv erfolgt elektronisch über die Pins am Bajonett, es ist aber auch eine AI-Blendenkupplung und ein Blendenring vorhanden, so dass die Objektive an klassischen analogen Kameras verwendet werden können.

Bei Nikon werden derzeit (Stand Januar 2018) 2 verschiedene Varianten der Spiegelreflex mit F-Bajonett ausgeliefert:

  • Digitale Kameras mit integriertem Autofokusmotor: D50, D70, D70s, D80, D90, D100, D200, D300, D300s, D500, D600, D610, D700, D750, Df, D800, D800E, D810, D850, D7000, D7100, D7200, D7500, D1, D1X, D1H, D2H, D2Hs, D2X, D2Xs, D3, D3S, D3X, D4, D4S, D5)
  • Digitale Kameras ohne integrierten Autofokusmotor: D40, D60, D3000, D3100, 3200, D3300, D3400, D5000, D5100, D5200, D5300, D5500)

Bei Verwendung eines analogen Autofokus-Objektivs vom Typ Nikon AF oder Nikon AF-D an einer Kamera ohne integrierten Motor ist kein Autofokus verfügbar, auch wenn es sich um ein Autofokus-Objektiv handelt. Viele dieser Objektive sind auch Anfang 2018 noch neu erhältlich, wie das grandios gute 105mm DC oder die Klassiker 24mm, 28mm, 35mm und 50mm in der AF-D Ausführung. Wer also unbedingt Autofokus benötigt – das kommt nicht nur auf die Bequemlichkeit sondern auch auf die Wahl des Motivs an, kann mit Kameras ohne eingebauten AF-Motor nicht auf den Schatz alter analoger Objektive zurückgreifen. Ansonsten kann mit AF- und AF-D Objektiven an diesen Kameras manuell fokussiert werden. Die meisten dieser Objektive fühlen sich dabei jedoch nicht sehr präzise an, weshalb ich empfehlen würde, gleich auf ein echtes manuell fokussierendes Objektiv aus der AI- und AI-s Serie zurückzugreifen.

Nutzer von Kameras mit integriertem AF-Motor sollten sich im klaren sein, dass die AF-Performance des Stangenautofokus nicht mit der von modernen Ultraschall AF-Motoren vergleichbar ist. Bei kompakten Objektiven von 20mm bis 85mm ist die AF-Geschwindigkeit noch akzeptabel. Bei Teleobjektiven,  wie dem 70-210 dauert es manchmal schon eine gefühlte Ewigkeit, bis der AF sitzt. Für Situationen mit schnellen Motivwechseln, sei es Sportfotografie oder spielende Kinder, ist ein AF und AF-D Objektiv also nicht immer perfekt geeignet. Aber das war der Industriestandard für fast 20 Jahre und es sind viele großartige Fotos damit gemacht worden – es geht also auch damit.

Nikon AI, Nikon AF, Nikon AF-S

Verwendung von analogen AI und AI-s Objektiven

Viele von Nikons AI und späteren AI-s Objektiven sind sowohl optisch als auch mechanisch immer noch sehr empfehlenswert. Sie wurden in erheblichem Umfang von Hand in Japan gefertigt und sind entsprechend erstklassig verarbeitet. Ob ein modernes Nikon AF-P oder AF-S Nikkor in 40 Jahren auch noch so gut funktioniert, wie ein AI wage ich zu bezweifeln – aber wir werden es hoffentlich herausfinden.

Ich habe zu klassischen AI- und AI-s Objektiven auch einen weiteren Artikel auf meiner Website www.christianmitschke.de geschrieben: Manuelle Nikon-Objektive

Bei der Verwendung von AI und AI-s Objektiven gibt es ein paar Dinge zu beachten. Die Übertragung der Blendeneinstellung erfolgt über den kleinen AI-Mitnehmer am Blendenring des Objektives. Nicht zu verwechseln mit dem großen Blendenabnehmer der Nikon F-Generation, auch Hasenohren genannt. Die Kamera „weiß“ also nicht, welches Objektiv sich an ihr befindet, weil keine elektronische Kommunikation stattfindet. Man muss der Kamera entsprechend mitteilen, welches Objektiv montiert ist.

Das kann an den Kameras der Modellserien D1, D2, D3, D4, D5, D300, D500, D7XX, D8XX, D7XXX sowie der Df in den Einstellungen gemacht werden, wie im folgenden Artikel auf www.christianmitschke.de beschrieben ist: Manuelle Nikon AI oder AIS Objektive an digitaler Spiegelreflexkamera

Dann können die Kamera-Modi M, also voll manuell oder A für Zeitautomatik gewählt werden und die Kamera gibt entsprechend Automatisch die korrekte Belichtungszeit an. Für die Belichtungsmessung können alle Modi genutzt werden, die die Kamera bietet. Abgesehen vom Autofokus und der Blendenautomatik sind diese Objektive fast ein vollwertiger Ersatz für ein modernes Objektiv – zu einem deutlich geringeren Preis.

An allen anderen Kameras, außer den oben genannten Kamera-Modellserien können diese Objektive nur im Modus M, also voll manuell genutzt werden. In allen anderen Einstellungen wird der Auslöser nicht funktionieren. Auch der Belichtungsmesser funktioniert nicht, man muss sich selbst an die korrekte Belichtung herantasten. Aber man kann mit diesem Objektiven fotografieren. Insbesondere für Bereiche, in denen häufig sowieso manuell fokussiert wird, wie Makrofotografie, lohnt sich der Kauf eines AI oder AI-s Objektives.

AI und AI-s Objektive können mit sog. Dandelion CPUs ausgerüstet werden, so dass sie elektronisch mit der Kamera kommunizieren können und somit zu modernen Nikon-Kameras kompatibel sind und auch die Objektiv-Daten im EXIF hinterlegt sind. Solche Objektive können auch heute neu, beispielsweise von Drittherstellern wie Samyang oder Cosina (Voigtländer oder Zeiss) erworben werden.

Ich habe bereits zahlreiche manuell fokussierende Objektive ausprobiert, meist mit wirklich guten Resultaten. Hier die Links zu den passenden Review-Artikeln:

Verwendung von Nikon F-Objektiven (Non-AI)

Die klassischen Nikon F-Objektive ohne AI-Kupplung sind nur bedingt kompatibel mit modernen Spiegelreflexkameras. Derzeit können sie nur mit der Nikon Df ohne weitere Einschränkungen benutzt werden. Dazu muss die AI-Blendenkupplung am Bajonett hochgeklappt werden.

Anschließend müssen die Objektivdaten in die Kamera eingegeben werden und Non-AI für die Belichtungsmessung eingegeben werden. Anschließend kann das Objektiv benutzt werden, indem sowohl am Objektiv, als auch in der Kamera die Blende eingestellt wird.

Da die AI Blendenkupplung an anderen Kameras nicht hochgeklappt werden kann, ist eine Nutzung dieser Objektive nicht möglich, ohne Objektiv oder Kamera zu beschädigen.

Für andere Kameras ist eine Umrüstung von non-AI auf AI möglich. Dazu wird entweder in den Blendenring die AI-Kupplung eingefeilt oder der Ring durch einen Ring mit Blendenkupplung ausgetauscht. Anschließend kann das Objektiv wie im letzten Kapitel beschrieben, benutzt werden.

 

Fazit:

Ja, es gibt Einschränkungen. Besonders an den Consumer-Modellen ist die Verwendung von AI- und AI-s Objektiven ausschließlich im manuellen Modus möglich. Aber das ist auch eine Chance die Grundlagen der Fotografie besser verstehen zu lernen. Mit der Zeit wird man ähnlich gute Fotos machen, wie bei Belichtungseinstellung durch die Kamera. Ich empfehle in RAW zu fotografieren, dann kann man in der Postproduktion ggf. noch einmal eingreifen und die Belichtung nachträglich korrigieren.

Besonders an semiprofessionellen und professionellen Modellen von Nikon ist die Verwendung von nahezu allen F-Bajonett Objektiven, die Nikon seit 1977 hergestellt hat, möglich und absolut empfehlenswert. Es gibt eine große Auswahl an Objektiven zu niedrigen Preisen bei hervorragender Bildqualität und Verarbeitung.

Wer, wie ich, Besitzer einer Nikon Df ist, kann nahezu alle Objektive seit 1959 an seine Kamera montieren und wird mit Klassikern, wie den 135er oder 200mm Q Nikkoren viel Freude bei kleinem Budget haben.