Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G

Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G Front

Erfahrungsbericht Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G

Das Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3,3-5,6G ist ein sehr kompaktes und leichtes Standard-Zoomobjektiv, welches Nikon zwischen 2001 und 2006 als Kit-Objektiv mit seinen Spiegelreflexkameras ausgeliefert hat.

Video-Review zum Nikon AF Nikor 28-80mm f/3.3-5.6 G bei YouTube

Parallel zu diesem Artikel habe ich ein Review-Video bei YouTube veröffentlicht.

Meine persönliche Meinung zu diesem Objektiv

Vorweg: Manchmal ist der erste Eindruck nicht der richtige. Nach meinem ersten kurzen Test dachte ich „Was für ein Müll.“, doch nach einigen Versuchen stark abgeblendet und Verschlusszeiten ab 1/250 waren die Resultate doch ganz akzeptabel. Aber von vorn: Das Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3,3-5,6G hat einen zwiespältigen Ruf – ich kenne vor allem die Bezeichnung „Plastikbomber“. Insbesondere wenn man es das erste Mal in der Hand hält und sonst eher mit höherpreisigen Objektiven zu tun hat, denkt man „Was für ein Haufen Plastikschrott.“ Laut Ken Rockwell – der das Objektiv als Geheimtipp lobt, wurden über 1,7 Millionen Exemplare davon in Thailand gebaut.

Ein Blick auf den hoffentlich historischen Werbetext, den die Website des Nikon Service München zeigt, schwärmt: „Das superleichte und kompakte neue Standard-Zoom AF Zoom Nikkor 28-80 mm/3.3-5.6 Typ G, ohne Blendenring, entspricht dem hohen Nikon- Qualitätsstandard. Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers bei Produkteinführung: 349,00 DM“. Ich hab meine Version für knapp 30€ gebraucht erstanden – zumindest für Haptik und Anmutung würde ich nicht viel mehr ausgeben.

Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G Bajonett

Nikon hat das Objektiv als Kit mit der F55 oder F75 verkauft, gerne auch in silber, wo die ganze Kamera genauso billig wirkte, wie das Objektiv. Ich denke das hat vor allem zum durchwachsenen Ruf des 28-80 beigetragen. Parallel zu diesem Objektiv gibt es noch ein 28-80 mit gleicher Lichtstärke aber als AF D Version – also mit Blendenring und anderer optischer Konstruktion. Beide Objektive gibt es zu Hauf für nen Appel und nen Ei auf den diversen Gebrauchtportalen.

Nikon AF Nikkor 28-80mm f/3.3-5.6 G Seite

Ich behaupte Nikon wollte gern mal ausprobieren, wo die Grenze dessen ist, was man bei der Herstellung eines Objektives alles aus billigem Kunststoff fertigen kann. Ich hoffe einige der Linsen sind aus Glas, aus Metall scheint nur das AF-Gestänge zu sein, alles andere ist Plastik und zwar eher das von der 1980er Armaturenbrett-Sorte: Filtergewinde, Gehäuse, Bajonett. Das ist eher der Charme der ausklingenden 1990er Jahre als das was man sich als hochwertiges Objektiv vorstellt. Aber ich will nicht unfair sein – jetzt mal im Ernst. Das hat nicht nur haptische Nachteile, es ermöglicht ein extrem geringes Gewicht von unter 200g bei akzeptable Abbildungsleistung. Dazu später.

Das Objektiv eines der ersten Nikkore vom Typ G = gelded, welches Nikon ohne Blendenring ausstattet. Die Blendenverstellung erfolgt ausschließlich elektronisch über die Kamera. Damit ist es nicht mehr kompatibel zu älteren manuellen Nikon Kameras. Der Wegfall des Blendenrings macht es etwas kompakter. Die optische Konstruktion besteht aus 6 Elementen in 6 Gruppen mit einer asphärischen Frontlinse und Mehrschichtvergütung. Die Blende besteht aus 7 Lamellen und erzeugt nicht ganz runde Bokeh-Balls.

Das Objektiv verfügt über keinen Integrierten AF-Motor, Autofokus funktioniert dementsprechend nur an manuellen und vor allem digitalen Nikons mit AF-Motor wie D1, D2, D3, D4, D5, D50, D70, D80, D90, D100, D200, D300, D500, D6XX, D7XX, D8XX, D7XXX und Nikon Df an der ich das Objektiv teste. Der Stangenautofokus ist schnell und treffsicher, die Naheinstellgrenze liegt bei 35cm, das ist wirklich klasse und war einer der Gründe für das Setup meines kleinen Tests.

Die Testsituationen

Ich habe das Objektiv unter nicht ganz optimalen Bedingungen getestet – aber ich führe keine Labortests durch, sondern fotografiere draußen und schildere meine Erfahrungen. Ich war an einem herbstlichen Oktobernachmittag mit dem Objektiv im Wald um Laub und Pilze zu fotografieren – ja das ist eigentlich die Domäne eines Makroobjektivs, vielleicht eines 60mm (da habe ich mich schon immer gefragt wer diese Brennweite für Makro braucht – an diesem Tag wäre es die richtige gewesen). Bei meinem Nachmittagsspaziergang habe ich etwa 100 Fotos mit dem Objektiv gemacht. Der Brennweitenbereich von 28 bis 80mm am Vollformat ist sehr praktisch. Anschließend habe ich auch einige Familienfotos im Innenraum mit Blitz gemacht. Die Verzeichnungen halten sich auch über den gesamten Brennweitenbereich in Grenzen. Auffällig ist die Vignettierung bei Offenblende in allen Brennweiten.

Nahaufnahmen:

Nahaufnahme von Pilzen mit ikon 28-80mm f/3.3-5.6 G

 

Nahaufnahme im Wald mit ikon 28-80mm f/3.3-5.6 G

 

Nahaufnahme von Pilzen mit ikon 28-80mm f/3.3-5.6 G

 

Beispielfoto bei 28mm:

Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 28mm

 

Beispielfoto bei 80mm:

Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 80mm

Der Autofokus ist sehr schnell aber natürlich nicht mit einem AF-S vergleichbar. Ich war aber nicht immer sicher, ob der Fokus beim ersten Anlauf richtig gesessen hat.
Ich habe viel bei Offenblende, meist jedoch mit Blende 8 fotografiert. Die Reziproke-Regel erfordert mindestens 1/80s – auch bei 1/250s waren die Aufnahmen jedoch nicht wirklich scharf – weil ich, wie unten beschrieben nicht weit genug abgeblendet habe. Ich habe bei diesem kleinen Feldtest kein Stativ dabeigehabt – weil ich so fotografiert habe, wie ich es auch mit anderen Objektiven tue – und oft habe ich kein Stativ dabei. Das hatte zur Folge, dass ich auf höhere ISOs ausweichen musste, was mit der Df eigentlich kein großes Problem ist.

Kleinere Blendenöffnungen habe ich bei kurzen Motivdistanzen gewählt um mehr Tiefenschärfe zu erreichen. Aber eine Erfahrung zieht sich bei Auswertung der Bilder wie ein roter Faden durch die Testbilder: Mein Objektiv liefert Offenblende im Weitwinkel bis f/5.6 und im Tele bei 80mm bis f/8 keine knackscharfen Aufnahmen. Ab f/10 wirds echt scharf aber dafür muss man schon oft einen Blitz dabei haben, wenn man nicht in ISO-Werte jenseits der 6400 kommen möchte. Auf http://photosbytomm.blogspot.de/2015/02/nikon-28-80mm-f33-56g-lens-review-with.html steht ein guter Ratschlag: „If you do find one of these, don’t shoot wide open, stop down the aperture to find the sweet spot.“ Und das stimmt. Ich glaubte zuerst an einen nicht ganz ordentlich kalibrierten Fokus, aber das ist nicht der Fall. Bei Offenblende sind die Kanten sehr weich, das Bokeh ist unruhig – das Freistellen eines Motivs ist zwar möglich aber Portraits sollte man mit diesem Objektiv eher nicht machen. Ich habe das Objektiv auch außerhalb dieses kleinen Waldspaziergangs auf ein paar Familienfeiern mitgenommen. Kombiniert mit dem SB-700 Blitzgerät konnte ich ganz ordentliche und knackscharfe Aufnahmen machen, aber ohne Blitz und bei Offenblende kann man das Teil getrost zu Hause lassen, da ist es so scharf wie eine Milchglasscheibe.

Testaufnahme Bokeh:

Bokeh Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 80mm und f/5.6

 

Testaufnahmen Vignettierung und Schärfe: 

Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 28mm und f/11

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Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 28mm und f/5.6

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Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 28mm und f/5.6

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Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 80mm und f/11Download Original

 

Farbsäume sind mir um Kanten nicht aufgefallen, auch wenn ich sie provoziert habe, wie bei Fotografieren von Stromleitungen oder Kränen – das ist wirklich klasse. Das Objektiv hat eine leichte Gegenlichtempfindlichkeit, hier geht der Kontrast runter. Wenn man den Kontrast und die Farbsättigung in Lightroom etwas erhöht, kann man damit leben. Eine Sonnenblende verbessert den Kontrast deutlich. Lensflares sind mir jedoch nicht aufgefallen.

Gegenlichtaufnahme Nikon 28-80mm f/3.3-5.6 G bei 28mm

 

Die Farben sind etwas kühler und flauer als bei modernen Nikkoren – ich habe den Weißabgleich in Lightroom etwas wärmer abgestimmt und die Sättigung erhöht. Insgesamt liefert dieses 28-80mm nicht so farb- und kontrastreiche Bilder wie beispielsweise das Nikon 28-70mm f/3.5-4.5 D, welches ich als die ganz klar bessere Alternative zu diesem Objektiv empfehle. Wer nicht so viel Weitwinkel braucht aber auf hohe Lichtstärke setzt, würde mit einem Nikon AF Nikkor 35-70mm f/2.8 D mit Sicherheit sehr glücklich werden.

Mein Fazit

Ich hatte mir mehr erwartet – aber nur weil Mr. Rockwell ein Objektiv als Geheimtipp lobt, heißt es nicht, dass das auch stimmt. Man bekommt für ungefähr 30€ ein universell einsetzbares Objektiv, das leicht und kompakt ist aber optisch erst ab f/8 wirklich ein paar Bäume ausreißen kann. Das ist der generelle Ratschlag für dieses Objektiv: Abblenden hilft!. Aber ein Objektiv, das erst ab f/8 wirklich gut einsetzbar ist, hat für mich nur einen geringen Nutzen und schränkt die Kreativität doch deutlich ein. Ich bin sicher, dass es eine gewisse Serienstreuung gibt und mein Exemplar war wohl eins der schlechteren. Für mich ist dieses Objektiv keine ernst zu nehmende Option. Aber es gibt wirklich gute Alternativen: Fast genauso klein und kompakt aber optisch deutlich besser und besser verarbeitet ist das Nikon AF Nikkor 28-70mm f/3.5-4.5 D. Man bekommt es zwischen 60€ und 100€ gebraucht.

Beispielfotos

 

Links und Reviews zum Objektiv

 

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