Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135

Erfahrungsbericht Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135

Das Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135 ist ein lichtstarkes Teleobjektiv mit M42 Schraub-Anschluss und manuellem Fokus, welches in den 1970er und 1980er Jahren in der DDR gefertigt wurde.

Meine persönliche Meinung zu diesem Objektiv

Auf der Suche nach einem lichtstarken Teleobjektiv mit Festbrennweite bin ich über dieses Objektiv gestolpert. Da ich gerade einige M42 Objektive an Nikon-Kameras mittels Adapter teste, habe ich mich entschieden dieses Objektiv mal auszuprobieren. Bei den 135ern gibt es mit manuellem Fokus eine recht ordentliche Auswahl von aktuellen und auch älteren Objektiven für das F-Bajonett, so dass man, wenn man keinen M42 Adapter hat, nicht auf dieses Objektiv zurückgreifen muss. Im günstigen Bereich sind als Alternativen natürlich die AI und AI-s Nikkore 135mm f/3.5 und 135mm f/2.8 aber auch die neu erhältlichen Objektive von Samyang / Walimex / Rokinon mit Lichtstärke 2 oder das Mitakon Zhong Yi Optics mit Lichtstärke 2.8 zu nennen. Im höherpreisigen Segment bietet Zeiss mit Milvus und Apo Sonnar gleich zwei Objektive, Nikon selbst bietet mit dem 135mm DC Autofocus auch noch eines der besten Portrait-Objektive am Markt an. Die Konkurrenz ist also groß, ist das M42 von Carl Zeiss Jena, welches mit knapp 80€ gebraucht zu haben ist, hier ein Geheimtipp?

Mechanische Eigenschaften

Das Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135 ist vollständig aus Metall und Glas gefertigt, lediglich der M/A Schalter ist aus Kunststoff. Es verfügt über eine eingebaute und herausziehbare Gegenlichtblende aus Metall. Mit einem Gewicht von 430 Gramm ist es sehr leicht und mit einer Länge von weniger als 10cm sehr kompakt. Dadurch passt es sogar in eine kleine Colt-Fototasche als Wechselobjektiv. Das Filtergewinde fasst Schraubfilter mit 49mm Durchmesser.

Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135 Profil

 

Es ist ein Manuell-Fokus-Objektiv. Das Fokussieren ist leichtgängig und sehr präzise. Auch das Einrasten der Blenden ist präzise und nicht schwergängig. Ein versehentliches Verstellen von Blende oder Fokus kann kaum passieren. Weiteste Blendenöffnung ist f/3.5, kleinste Blendenöffnung ist f/22.

Die Frontlinse verfügt über eine rötlich schimmernde Mehrschichtvergütung, so dass Umwelteinflüsse oder auch Fingerabdrücke keine Chance haben.

Carl Zeiss Jena MC Sonnar 3.5/135 Frontlinse

 

Die Verarbeitungsqualität insgesamt ist hervorragend und auf sehr hohem Niveau – hier merkt man die Handarbeit.

Optische Eigenschaften

Die hier beschriebenen optischen Eigenschaften und Ergebnisse repräsentieren die Verwendung des Objektivs mit einem M42 Adapter von Wecellent mit Ausgleichslinse. Diese hat selbstverständlich Auswirkungen, so dass das Ergebnis schlechter als bei einer Verwendung des Objektivs mit einer M42 Kamera sein kann.

Bereits bei Offenblende liefert das Objektiv scharfe und kontrastreiche Bilder. Abblenden von f/3.5 auf f/5.6 reduziert CAs fast vollständig und Kontrast und Schärfe bessern sich deutlich. Weiteres Abblenden bringt kaum noch Qualitätsunterschiede. Mit diesen Bedingungen habe ich dieses Objektiv meist bei f/5.6 oder f/8 eingesetzt und gute oder zufriedenstellende Ergebnisse erhalten. Die Schärfe ist jedoch bei weitem nicht auf dem Niveau moderner AF-S Objektive.

Abblenden bringt Besserung

 

Der Vierlinser ermöglicht Aufnahmen weitestgehend frei von Verzeichnungen und Vignettierungen, das ist sehr erfreulich, da so kaum Korrekturen in der Postproduktion notwendig sind. Die Farbabstimmung ist etwas kühler, als man es von modernen Nikkoren gewöhnt ist. Das Bokeh ist bei Offenblende angenehm weich, abgeblendet wird es etwas unruhiger.

Bei Gegenlichtaufnahmen kann es zu Lensflares oder Geisterbildern kommen, da bin ich mir aber nicht sicher ob das Objektiv oder der M42-Adapter von Wecellent diese verursacht hat. Gut sichtbar ist das bei der Nachtaufnahme des Leuchtturms, die bei f/5.6 erfolgte.

Gegenlichtaufnahme Carl Zeiss Jena 135mm

 

Mein Fazit

Ich habe mit diesem Objektiv im Urlaub sowohl im Bereich Landschaft als auch Portraits in Innenräumen und im Freien gemacht. Das Handling ist mir im Großen und Ganzen leichtgefallen. Da durch die M42 Adaption die Blendenwerte nicht korrekt in die Kamera übertragen werden, kann ich die Blende nicht verstellen, während ich durch den Sucher schaue – das hat mich in manchen Situationen gestört- liegt aber nicht am Objektiv. Das Fokussieren ist bei guten Lichtverhältnissen leichtgefallen, auch wenn man vom Tele zum Nahbereich teils sehr lange Wege zurücklegen muss. Die ausziehbare Gegenlichtblende ist praktisch und das Verhältnis von Größe und Gewicht zur optischen Leistung wirklich klasse.

Ein Geheimtipp ist sowohl dieses Objektiv als auch die Verwendung anderer M42 Objektive am F-Bajonett auf jeden Fall nicht. Man merkt, wie viel Entwicklung in den letzten 30 bis 40 Jahren in die Objektive geflossen ist. Das Adaptieren bringt mehr Probleme und Umstände mit sich als die Qualität der Objektive mit sich bringt. Wer nach Alternativen für günstige Objektive für Nikon sucht, ist bei einem AI oder AI-s Objektiv, viel eher aber noch bei einem Samyang wesentlich besser aufgehoben.

Beispielfotos

Links und Reviews zum Objektiv

 

#CZJ #Vintagelens #M42